Der Wettbewerb schrumpft Berlinale: Zhang Yimou raus, Netflix attackiert

Elisa y Marcela: Deutsche Kinobetreiber wollen, dass dieser Netflix keinen Preis  kriegt. Foto: NetflixElisa y Marcela: Deutsche Kinobetreiber wollen, dass dieser Netflix keinen Preis kriegt. Foto: Netflix

Berlin. Der Berlinale-Wettbewerb 2019 verliert den Chinesen. Deutsche Kinobetreiber wünschen, dass auch Netflix rausfliegt.

Der Berlinale-Wettbewerb schrumpft: Statt der 17 angekündigten Filme konkurrieren nur noch 16 um den Goldenen Bären. Der Beitrag des Chinesen Zhang Yimou entfällt. Deutsche Kinobetreiber wollen auch den Netflix-Beitrag ausbremsen.

Zhang Yimous Film zurückgezogen

Der Film „Yi miao zhong (One Second)“ des chinesischen Regisseurs Zhang Yimou, dessen Werk in Venedig, Cannes und Berlin ausgezeichnet wurde, ist kurzfristig zurückgezogen worden. Als offizielle Begründung zitiert die Berlinale „technische Probleme bei der Post-Production“. Der Film ist demnach also schlicht nicht fertig geworden. Die Geschichte erzählt von der chinesischen Kulturrevolution, unter der auch Zhang Yimous Familie gelitten hat. Dass der Film damit eine deutlich politische Dimension hat, weckt zugleich die Sorge, ob womöglich auch behördlicher Druck hinter der überraschenden Absage steht. Mit „One Second“ verliert der aktuelle Festivaljahrgang bereits den zweiten chinesischen Beitrag: „Better Days“, ein Mobbing-Drama aus der Jugendsektion, wurde wenige Tage vor dem Festival zurückgezogen – was ebenfalls mit einer verspäteten Fertigstellung begründet wurde. 

Kinobetreiber wollen Netflix abstrafen

Wenn es nach der AG Kino geht, einem Verband deutscher Filmtheater, soll nun noch ein Beitrag aus dem Berlinale-Wettbewerb fliegen: Isabel Coixets Lesben-Drama „Elisa y Marcela“ und damit der ersten Netflix-Film, der einen Berlinale-Bären gewinnen könnte. „Entgegen anderslautender Beteuerungen des Rechteinhabers Netflix deutet alles darauf hin, dass der Film nicht regulär ins Kino kommen wird“, heißt es in einem offenen Brief, den rund 160 Kinobetreiber an die Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Berlinale-Chef Dieter Kosslick richten. „Es ist inakzeptabel, dass Netflix im Sinne der Durchsetzung des eigenen erzkapitalistischen Geschäftsmodells mit purer Wirtschaftsmacht einseitig eine Umdeutung des Begriffs Kinoauswertung erzwingen will. Eine Auswertung wider Gesetze und funktionierende Gepflogenheiten verstößt gegen die Statuten des Festivals.“ Die Unterzeichner fordern, den Film wie geplant zu zeigen – ihn aber kurzfristig „außer Konkurrenz“ zu präsentieren und ihm damit die Chance auf einen der Preise des Festivals zu nehmen.

Festivals vs. Netflix: die Debatte

Hintergrund ist eine seit mehreren Jahren geführte Debatte um die Rolle von Streamingdiensten auf Filmfestivals. Netflix wehrt sich gegen die so genannten Verwertungsfenster, die Kinos eine exklusive Auswertung von Filmen zusichern, bevor sie auf DVD, im Fernsehen oder eben bei Streaminganbietern zu sehen sind. Netflix vermeidet daher eine Kinoauswertung seiner Produktionen. Das Filmfest von Cannes hatte unter öffentlichem Druck seine Statuten ergänzt und im vergangenen Jahr die Präsentation von Werken verweigert, die keinen Kinostart bekommen. Unter anderem verlor das Festival dadurch Alfonso Cuaróns „Roma“ an die Filmfestspiele von Venedig, wo er mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde und nun mit zehn Nominierungen einer der beiden Top-Oscar-Favoriten ist. Die Berlinale holt mit Isabel Coixets spanischem Beitrag zum ersten Mal Netflix in den Wettbewerb, betont aber, dass der Anbieter eine Leinwand-Auswertung zumindest im Heimatland der Regisseurin zugesichert hat.

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