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09.02.2019, 05:33 Uhr KOLUMNE

Starke Akkus, schlappe Akkus - Haben Smartphones eine Seele?

Von Joachim Schmitz


Seit ein neues Smartphone im Haus ist, hat sich die Akkuleistung des alten wieder stabilisiert. Foto: imago/STPPSeit ein neues Smartphone im Haus ist, hat sich die Akkuleistung des alten wieder stabilisiert. Foto: imago/STPP

Osnabrück. In unserer wöchentlichen Kolumne „Silberblick“ berichtet die Kulturredaktion über mehr oder weniger skurrile Beobachtungen aus dem Alltag und Kulturleben.In dieser Woche geht es um sonderbare Erfahrungen mit dem Smartphone und seinem Akku:

Wie gern denke ich an meine ersten Handys zurück. Die konnten zwar nicht mailen, chatten, fotografieren oder Filme zeigen, aber die hatten Akkus, die nahezu unkaputtbar waren. Drei, vier, fünf Tage, manchmal eine ganze Woche hielten sie, ohne dass man ihnen eine Steckdose zeigen oder sie gar anschließen musste. Vielleicht, weil ich sie so wenig beschäftigt habe?

Das ist heute anders. Strotzt ein neues Handy nach dem Kauf noch so vor Akku-Power, ist es nach zwei Jahren am Ende seiner Kräfte und verlangt manchmal mehrfach täglich nach einer Strom-Infusion. Vielleicht, weil es mailen, chatten und fotografieren muss? Wohl eher, weil der Hersteller es so baut, dass es nach einer ziemlich kurzen Zeit schlappmacht – damit der Kunde sich regelmäßig ein neues kauft. Obsoleszenz heißt der Fachbegriff dafür, im Ruhrgebiet würde man dazu wohl allgemein verständlicher „Beschiss“ sagen.

Schiss oder Beschiss?

Mein aktuelles Handy ist so ein Obsoleszenz-Beschiss-Modell. Zwei Jahre alt und so schwach auf der Brust wie ein 85-jähriger Kettenraucher. Also habe ich mir die letzte Vertragsverlängerung mit einem neuen Handy versüßen lassen und auf die Reduzierung meiner monatlichen Rechnung verzichtet. Und siehe da – plötzlich scheint das alte, das ja gar nicht soooo alt ist, eine merkwürdige Wunderheilung erfahren zu haben. Der Akku hält und hält und hält – als ob das Handy Panik hätte, von mir nicht mehr geliebt und auf den Elektronik-Friedhof verbannt zu werden. Nun starre ich es manchmal klammheimlich an und frage mich: Haben Handys etwa eine Seele? Ist es traurig? Oder hat es Angst? Schiss oder Beschiss – das ist hier die Frage.

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