Ein Bild von Christine Adam
31.01.2019, 17:12 Uhr KOMMENTAR: BUCHMARKT

So leicht ist der Leser nicht zu gewinnen

Ein Kommentar von Christine Adam


Der Bestseller-Autor Florian Illies ("Generation Golf") ist nun Rowohlt-Verleger. Foto: dpa/Klaus FrankeDer Bestseller-Autor Florian Illies ("Generation Golf") ist nun Rowohlt-Verleger. Foto: dpa/Klaus Franke

Osnabrück. Florian Illies’ Glaube als neuer Rowohlt-Verleger an die Kraft des Buches in allen Ehren. Doch dass es wirklich so einfach ist, potenzielle Leser von den Bildschirmen wegzulocken, darf bezweifelt werden – ein Kommentar

Florian Illies’ Glaube als neuer Rowohlt-Verleger an die Kraft des Buches in allen Ehren. Doch dass es wirklich so einfach ist, potenzielle Leser von den Bildschirmen wegzulocken, darf bezweifelt werden. Es ist einfach viel bequemer, den Knopf der Fernbedienung zu drücken und sich von Filmbildern berieseln zu lassen, als zum Buch zu greifen. Lesen ist ein aktiver Vorgang und bedeutet: Rückzug in eigene Innenwelten, Bilder in der eigenen Fantasie herstellen.

 Das Anschauen von Filmen aller Art ist deutlich passiver. Filme erzeugen außerdem eine Kulisse aus Geräuschen, Stimmen und Aktivität, wie wir sie aus dem Alltagsleben kennen. Wir fühlen uns nicht so allein. Lesen ist mit Stille verbunden, die viele gar nicht mehr lange aushalten können und wollen. Solange die Welt so unruhig um uns herum rotiert wie momentan, ist ein Boom zum entspannten Lesen kaum zu erwarten.

Es ist auch sicher kein Fehler, in den sozialen Medien auf passgenaue Bücher für die Bedürfnisse der Menschen zu achten. Doch die Gattung Literatur entwickelt ihre eigenen Kunstkriterien, und das seit Jahrhunderten ganz und gar nicht am leidenschaftlichen Leser vorbei. Solche Bücher muss es weiterhin geben dürfen.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN