Neu im Kino Der alte Mann und der Schnee: Clint Eastwoods „The Mule“

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Clint Eastwood als Earl in The Mule. Foto: Warner Bros.Clint Eastwood als Earl in The Mule. Foto: Warner Bros.

Berlin. Ein 90-jähriger Blumenzüchter fährt Drogen fürs Kartell: Clint Eastwoods „The Mule“ bringt einen realen Stoff ins Kino.

Clint Eastwoods „The Mule“ startet am Donnerstag, 31. Januar, in den deutschen Kinos. Der 88-jährige Regisseur und Hauptdarsteller erzählt die reale Geschichte eines greisen Drogenkuriers.



Wovon handelt „The Mule“ ?

Earls ganzes Leben gehörte seiner Obsession: der Taglilien-Zucht. Die Familie hat er darüber so rücksichtslos vernachlässigt, dass ihm die Frau weggelaufen ist und die Tochter nicht mehr mit ihm spricht. Als sein Pflanzenhandel eingeht und Earl mit rund 90 Jahren vor dem Nichts steht, ist er reif: Er lässt sich als „Mule“ (Maultier) anheuern – als Kurierfahrer des Drogenkartells. Finanziell ist er bald saniert; aber wie seinen Lilien, deren Blüte nach einem Tag welkt, bleibt auch ihm nicht viel Zeit, wenn er sich mit Frau und Tochter noch aussöhnen will.

Der Fall hinter dem Film

Clint Eastwood, Regisseur, Produzent und sein eigener Hauptdarsteller, greift mit „The Mule“ einen realen Fall auf. Leonard Sharp transportierte im großen Stil Drogen, bevor er 2011 im Alter von 87 Jahren sprichwörtlich aus dem Verkehr gezogen wurde. Mit humorvoller Empathie macht Eastwood daraus nun einen greisen Eigenbrötler, den gerade das Alter effektiv macht: Dass Earl unterschätzt wird, rettet ihn durch jede Polizeikontrolle. Und sein Eigensinn macht ihn für das FBI unberechenbar: Denn wo ein junges Paar am Highway strandet, stoppt Earl und hilft – egal, wie viele hundert Kilo Koks er auf der Pritsche hat. Dabei erweist er sich als ebenso toleranter wie aus der Zeit gefallener Gentleman, der Rocker-Lesben für Männer hält und das Paar mit der Autopanne unverdrossen als „Neger“ anspricht.

Eine Zeitlang läuft alles gut: Earl kauft sein Haus zurück, renoviert einem Kumpel die abgebrannte Stammkneipe – und begreift den Ernst der Lage erst, als der Kartellchef (Andy Garcia in einer tollen Nebenrolle) ermordet wird. Der Nachfolger ist weniger humorvoll und droht, Earl bei der nächsten Abweichung von der Route zu töten. Ausgerechnet dann kommt die Nachricht, dass seine Ex-Frau im Sterben liegt. Noch einmal steht Earl vor der Frage seines Lebens: Weiterarbeiten? Oder alles riskieren, um wenigstens diesmal für die Familie da zu sein?

Der 88-jährige Eastwood belächelt seinen Alten

Eastwood erzählt nicht nur einer Versöhnung – sein Film ist auch selbst versöhnlich: Das gilt für die Kernbotschaft, wonach eine Geste ein ganzes Leben aufwiegen kann. Und es gilt für die Hauptfigur, die nicht nur von den Gangstern liebevoll belächelt wird. Auch Eastwood, selbst 88, nimmt den Alten nicht für voll, inszeniert seine Orgien mit Prostituierten als Gag und ignoriert seine Verantwortung im mörderischen Geschäft. Im Tonfall der Komödie gelingt ihm ein gefühlvoller und amüsanter Film, der aber immer an der Oberfläche bleibt.

Wie viel besser es geht, zeigt Robert Redford schon im März als Bankräuber in David Lowerys „Ein Gauner & Gentleman“. Auch er spielt einen steinaltern Verbrecher, auch er muss sich verpassten Möglichkeiten stellen. Nur ein Faktotum ist er nie – stattdessen porträtiert Redford eine Figur, die unabhängig vom Alter für existenzielle Fragen einsteht – was seinen Film zu einem sehr viel intensiveren Erlebnis macht.

„The Mule“. USA 2019. R: Clint Eastwood. D: Clint Eastwood, Dianne Wiest, Bradley Cooper, Michael Pena. 116 Minuten. FSK ab 12 Jahren.

Mehr Kino

Berlinale 2019: Kosslick verspricht Freikarten für die AfD


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN