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28.01.2019, 17:09 Uhr MEISTERWERK AUS DER MÜLLTONNE?

Gerhard Richter hatte Skizzen bereits entsorgt

Ein Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann


Er warf Papierfetzen in den Müll. Jetzt sollen sie Kunst sein: Gerhard Richter steht im Mittelpunkt einer Posse um Kunst und Nichtkunst. Foto: Soeren Stache/dpaEr warf Papierfetzen in den Müll. Jetzt sollen sie Kunst sein: Gerhard Richter steht im Mittelpunkt einer Posse um Kunst und Nichtkunst. Foto: Soeren Stache/dpa

Osnabrück. Abfall kann Kunst sein - wenn er von Gerhard Richter stammt. Die Kölner Posse um einen Mann, der Abfall aus Richters Tonne als Kunst verkaufen wollte, wirft ein Schlaglicht auf die Gesetze des Kunstmarktes. Sie zeigt, wann Kunst wirklich zur Kunst wird.

Mancher Müll kann noch lange nicht weg. Was als zerknüllter Fetzen in der Mülltonne liegt, könnte nämlich auch Kunst sein, sogar welche von Gerhard Richter. Die Kölner Kunstmüllposse dreht eine Konstellation um, die seit vielen Jahren für Lacher sorgt. Danach werden echte Kunstwerke als vermeintlicher Müll entsorgt. Raumpflegerinnen schrubbten einst eine Badewanne von Beuys, Müllwerker kippten Kartonbilder von Robert Rauschenberg weg. Banause hält Kunst für Abfall: Dieses Muster hat viele Variationen.  Hier weiterlesen: Das Auge des Medienzeitalters - Gerhard Richter im Porträt.

Woran erkennt man Kunst?

Die Frage dahinter: Ist moderne Kunst immer als Kunst erkennbar? Nein, sagen Spötter. Für sie macht allein der Kontext die Kunst. Warum soll ein Blatt, das Gerhard Richter vollgekritzelt und in die Tonne geworfen hat, nicht auch gerahmt an der Galeriewand hängen? Die Frage ist klug gestellt, auch deshalb, weil die Antwort lukrativ sein kann.  Hier weiterlesen: Von Betty bis Mustang-Staffel - Gerhard Richters Editionen.

Kult des Genies

 Die Grenze zwischen Kunst und wertlosem Zeug ist hauchfein gezogen. Manchmal genügt schon bloße Berührung, um aus einer Nichtigkeit ein Meisterwerk zu machen. Was Gerhard Richter anfasst, wird in jedem Fall zu Gold. So will es ein Markt, der den Kult des Genies braucht, um Höchstpreise zu rechtfertigen. Über den Papierfetzen mag man lachen, aber die Posse bringt Richter frische Publicity. Ist das Kunst oder kann das weg? Bei Gerhard Richter auf gar keinen Fall.


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