Ein Bild von Ralf Döring
20.01.2019, 17:37 Uhr KOMMENTAR

Die Lindenstraße – ein Quotenopfer

Ein Kommentar von Ralf Döring


Eine Familie, die zur Familie gehört:  Helga Beimer, gespielt von Marie-Luise Marjan, mit ihrem ersten Mann Hans, gespielt von Joachim Hermann Luger - eine Szene aus den frühen Tagen der „Lindenstraße“. Foto: WDR/dpaEine Familie, die zur Familie gehört: Helga Beimer, gespielt von Marie-Luise Marjan, mit ihrem ersten Mann Hans, gespielt von Joachim Hermann Luger - eine Szene aus den frühen Tagen der „Lindenstraße“. Foto: WDR/dpa

dö Osnabrück. Letzen November hat die ARD verfügt, die Kultserie „Lindenstraße“ einzustellen. Jetzt demonstrieren in Köln Fans für den Erhalt der Serie. Dabei geht es um Grundsätzliches für den gebührenfinanzierten Rundfunk. Ein Kommentar.

Die „Lindenstraße“ ist Kult, das bezweifelt niemand. Der Status äußert sich in der Treue der Fans, die immer noch Sonntag für Sonntag die Serie verfolgen. Aber die Zahl der Fans hat kontinuierlich abgenommen; deshalb haben die ARD-Verantwortlichen das Aus der Serie verfügt. Sie beugen sich dem Druck, der entsteht, wenn man Quote und Kosten in Relation setzt.

Gegen die kühle Kalkulation nimmt es sich rührend aus, wenn nun ein paar hundert Fans aus ganz Deutschland in Köln für den Erhalt ihrer „Lindenstraße“ demonstrieren. Dabei stehen nicht handfeste Argumente im Vordergrund, sondern Emotionen: Den zwei Millionen Fans, die nach wie vor Sonntag für Sonntag einschalten, sind die Figuren ans Herz gewachsen. Sie fiebern mit, nehmen Anteil am Schicksal der „Lindenstraßen“-Bewohner. Verstehen kann das nur, wer Fan ist, aber so äußert sich echtes Fantum eben. Beim Fußball wie in der Lindenstraße.

Aber leider ersetzen Emotionen keine Argumente, und harte Fakten wiegen sie schon gar nicht auf. Die aber bilden die Entscheidungsgrundlage bei den gebührenfinanzierten Rundfunkanstalten. Da fällt es schon der Qualität schwer, sich gegen die Quote zu behaupten, und wenn Kult zur Nische wird, gilt das erst recht. Wer die „Lindenstraße“ erhalten will, muss ARD und ZDF vom Quotendruck befreien.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN