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18.01.2019, 16:05 Uhr KOMMENTAR

Pragmatischer Deal der Schwedischen Akademie

Ein Kommentar von Ralf Döring


Auch schwierig, aber das nur inhaltlich: 2016 spricht Sara Danius, Ständige Sekretärin der Schwedischen Akademie mit Pressevertretern, nachdem US-Sänger Bob Dylan als Literaturnobelpreisträger verkündet worden war. Foto: Jonas Ekstromer/TT NEWS AGENCY/epa/dpaAuch schwierig, aber das nur inhaltlich: 2016 spricht Sara Danius, Ständige Sekretärin der Schwedischen Akademie mit Pressevertretern, nachdem US-Sänger Bob Dylan als Literaturnobelpreisträger verkündet worden war. Foto: Jonas Ekstromer/TT NEWS AGENCY/epa/dpa

Osnabrück Katarina Frostenson verlässt die Schwedische Akademie, jenes Komitee, das den Literaturnobelpreis vergibt. Nach Vergewaltigungsvorwürfen gegen Frostensons Mann ist die Institution schwer ins Straucheln geraten - jetzt macht die Schrifstellerin den Weg frei für einen echten Neuanfang. Ein Kommentar

Katarina Frostenson verlässt die Schwedische Akademie – endlich. An ihr macht sich der Skandal um die Institution fest, die den Literaturnobelpreis vergibt; sie stand der Erneuerung im Weg. Jetzt kann das Komitee beginnen, sich neu zu formieren oder besser: sich neu zu erfinden. Denn das wird nötig sein, will die Institution jemals zu alter Bedeutung zurückfinden.

Dabei ist der Preis für den Neustart hoch. Frostenson verlässt die Akademie offenbar nicht aufgrund tiefer Einsicht in die Notwendigkeit ihres Weggangs. Sie hat sich herauskaufen lassen. Die Autorin ist Dreh- und Angelpunkt des ganzen Konflikts, und ihr Abschied ist nichts anderes als ein Deal, wie man ihn mit vor Gericht schließt.

Bei solchen Geschäften bleibt ein mulmiges Gefühl zurück: Weil die Beweisführung schwierig ist und möglicherweise schmerzhaft für die Beteiligten, einigt man sich unter der Hand. Das verhindert, dass im Schmutz gewühlt wird und hässliche Details zutage treten. Die Schwedische Akademie übt sich so in Schadensbegrenzung. Und künftig gilt es vorzubauen, um derartige Skandale zu vermeiden.


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