Neu im Kino Shyamalans „Glass“ – die Alternative zu „Marvel‘s Avengers“

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Samuel L. Jackson ist Mister Glass - und im gleichnamigen Comic-Film nur selten so wach wie hier. Foto: DisneySamuel L. Jackson ist Mister Glass - und im gleichnamigen Comic-Film nur selten so wach wie hier. Foto: Disney

Berlin. In „Glass“ führt M. Night Shyamalan die Helden aus „Unbreakable“ und „Split“ zusammen – und macht Marvel Konkurrenz.

M. Night Shyamalans „Split“ war, gemessen am Budget, einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Mit „Glass“ kommt am 17. Januar die Fortsetzung ins Kino. 



Wovon handelt „Glass“? 

Im forensischen Hochsicherheitstrakt behandelt die Psychiaterin Dr. Staple (Sarah Paulson) drei Patienten, die eins verbindet: Alle glauben, übernatürliche Fähigkeiten zu besitzen. David Dunn hält sich für unverletzlich und jagt mit telepathischen Kräften Verbrecher. Kevin Wendell Crumb nennt sich „Die Horde“, weil in ihm 24 Persönlichkeiten leben – darunter ein archaisches Monster, das die Wände hochlaufen kann. Elijah Price alias Mister Glass kompensiert seine Glasknochen-Krankheit mit dem Selbstbild des hyperintelligenten Schurken. Diese Superhelden-Film lässt den alles entscheidenden Punkt des Genres also offen – die Frage, ob es Superhelden überhaupt gibt.

Eine Comic-Welt trotzt Marvel

Die fundamentale Verunsicherung ist ein Markenzeichen des Autors und Regisseurs M. Night Shyamalan. Nun lässt er zum ersten Mal die zentralen Figuren aus „Unbreakable“ (2000) und „Split“ (2017) gemeinsam auftreten. Schon dass sie überhaupt in ein und derselben Welt leben, hatte Shyamalan erst am Schluss des zweiten Films angedeutet. Der Coup etablierte völlig unerwartet einen Gegenentwurf zu den Comic-Universen von der Großverlage Marvel und DC. Und das nicht zuletzt in den Produktionsbedingungen: Während die „Avengers“-Filme um Iron Man und Thor Budgets von bis zu 300 Millionen Dollar verschlingen, kostete „Split“ neun Millionen Dollar – spielte damit aber rund 280 Millionen ein: das Dreißigfache.

Comic-Filme müssen keine Materialschlachten aus dem Computer sein: Schon durch ihre bloße Existenz stellt Shymalans Trilogie das ganze Genre in Frage. „Glass“ geht in diesem Impetus nun besonders weit – und betreibt eine exzessive Selbstthematisierung. Um den nächsten Schritt des Gegenspielers zu antizipieren, schlagen die Helden regelmäßig im Comic-Shop nach und wägen ab: Befinden sie sich nun eher in einer Sonderausgabe oder im ersten Band 1 einer Reihe? Beides brächte jeweils andere Wendungen mit sich – die dem Regisseur nebenbei ein augentäuscherisches Spiel mit dem Publikum erlauben.

McAvoy zaubert, Willis bleibt Minimalist

Die massive Selbstironie – zu Crumbs multiplen Persönlichkeiten gehört sogar ein Filmwissenschaftler – bestärkt die Illusion paradoxerweise noch. Denn selbstverständlich wollen wir sehen, wie die Superhelden die ungläubige Psychiaterin widerlegen. Womit der Film sein Publikum in die Komplizenschaft mit Mister Glass zwingt, dessen finstere Mission genau darin besteht: in einem blutigen Fanal, das der Welt seine übermenschliche Existenz beweist.

Trotzdem fällt die Identifikation in „Glass“ schwer. Wenn James McAvoy als „Die Horde“ im Sekundentakt seine Persönlichkeit wechselt, sieht man nicht nur einen lispelnden Neunjährigen, eine distinguierte Dame oder die Bestie – sondern immer auch einen Schauspieler, der glänzen will. Sein Budenzauber kontrastiert dabei nicht nur mit dem, naja, Minimalismus von Bruce Willis, sondern auch mit dem Spiel von Samuel L. Jackson. Das fällt diesmal zwangsläufig limitiert aus, weil sein Mister Glass über weite Teile der Geschichte sediert wird. Dass einem die Figuren nie sehr nahe kommen, schadet dem Film. Anders als die anarchischeren „Deadpool“-Filme ist er eben keine Komödie, die sich schon in ihren Pointen rechtfertigt. Als Comic-Thriller unterhält „Glass“ originell, wenn auch ohne allzu lange nachzuwirken. Als Alternative zur Marvel-Übermacht bleibt er aber auf jeden Fall hocherfreulich.

„Glass“. USA 2018. R: M. Night Shyamalan. James McAvoy, Bruce Willis, Samuel L. Jackson, Sarah Paulson. 129 Minuten. FSK ab 16 Jahren.

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