Kostümfilm mit Saoirse Ronan „Maria Stuart“: Eine Frau, die tötet, ist – ein Mann

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Schön und tugendhaft: Saoirse Ronan als Maria Stuart. Foto: Liam Daniel/Focus FeaturesSchön und tugendhaft: Saoirse Ronan als Maria Stuart. Foto: Liam Daniel/Focus Features

Berlin. Ein neuer Film erzählt Maria Stuarts Leben als Geschichte einer weiblichen Selbstbehauptung. Was läuft dabei schief?

Nach „Lady Bird“spielt Saoirse Ronan die schottische Königin Maria Stuart. Was hat der Film über das Verhältnis der Geschlechter zu sagen?



Maria Stuart und Elizabeth I.

Als Säugling gekrönt, als Kind nach Frankreich verheiratet, ist Maria Stuart mit 18 Jahren schon Witwe. Als Königin von Schottland kehrt sie in ihre Heimat zurück – wo ihr Anspruch auf den englischen Thron Queen Elizabeth I. bedroht. Über Jahrzehnte ringen beide um die Macht, bis Elizabeth die Rivalin hinrichten lässt. Regisseurin Josie Rourke deutet den historischen Stoff als Streit zweier Frauen, die Gegnerinnen werden, obwohl sie einen gemeinsamen Kampf ausfechten: gegen die von Männern gemachte Ordnung. Bis zuletzt sprechen die Königinnen mit Achtung von einander; immer wieder schwingt die Utopie einer Schwesternschaft auf, die den Hass der Reformationszeit hätte überwinden können.

Gender Studies im 16. Jahrhundert

Hinter der politischen Bühne entdecken die Regisseurin und Autor Beau Willimon („House of Cards“) eine weibliche Selbstbehauptung: Maria und Elisabeth verbindet die Notwendigkeit von Zweckehen und der Druck, Thronfolger zu gebären. Der Film macht daraus ein Identifikationsangebot; die Titelheldin wird dabei zur Stellvertreterin heutiger Werte: Einem schwulen Höfling verzeiht sie sogar, dass er mit ihrem Mann schläft: Treue gegenüber der sexuellen Identität, sagt sie ausdrücklich, wiegt mehr als die gegenüber der Krone. Maria Stuart lebt schon vor knapp 500 Jahren alles, was wir nach Frauenbewegung und Gay-Rights-Movement als wichtig und richtig erachten.

Eine Frau, die tötet, ist – ein Mann!

Was dabei so entmutigend ist: Obwohl dem Film der Gender-Diskurs erkennbar wichtig ist, verrutscht sein Geschlechterbild. Frauen sind hier entweder von Natur aus gut – oder keine Frau. Maria Stuart (Saoirse Ronan aus „Lady Bird“) ist empathisch um Versöhnung bemüht. Elisabeth dagegen (Margot Robbies nächste dunkle Figur) greift zu Verrat und politischem Mord. Und sagt deshalb gleich mehrfach, dass sie mehr Mann ist als Frau.

Leider gibt die Inszenierung ihr Recht. In quälender Vollständigkeit bringt der Film alles vor, womit man eine „Entweiblichung“ nur verteufeln kann. Während Maria noch unter dem Beil als jugendliche Naturschönheit strahlt, ist Elisabeth pockennarbig, krank und unfruchtbar. Im Finale mutiert sie zum grotesk geschminkten Monstrum, das sein Geschlecht nur noch vortäuscht. Unter der Perücke geht ihr das Haar aus. Wenn schon Mann, dann richtig.

Monströse Weiblichkeit: Margot Robbie als Maria Stuarts Antagonistin Elizabeth. Foto: Liam Daniel/Focus Features


„Maria Stuart, Königin von Schottland“. GB 2019. R: Josie Rourke. D: Saoirse Ronan, Margot Robbie. 124 Minuten. FSK ab 12 Jahren. Filmstart ist der 17. Januar 2019.

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