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Vielschichtige Spuren der Erinnerung

Der Löwe als Symbol des iranischen Staates: Mona Hakimi-Schüler thematisiert in ihren Bildern ihre Erinnerung an die Kindheit in Teheran. Foto: Gert WestdörpDer Löwe als Symbol des iranischen Staates: Mona Hakimi-Schüler thematisiert in ihren Bildern ihre Erinnerung an die Kindheit in Teheran. Foto: Gert Westdörp

Die Bilder von Mona Hakimi-Schüler hätten gut in das Programm des Morgenland Festivals gepasst: Demonstranten, die sich in Teheran gegen das Regime äußern, oder Frauen, die für ihre Rechte einstehen, Riesentransparente an der Straße, die Wohnungen in einem Haus mit dem Namen „World of Light“ anpreisen, oder Fassaden, an denen religiöse Parolen direkt neben der Werbung für Waschmaschinen hängen, das sind Facetten des Alltags in der iranischen Metropole, die Mona Hakimi-Schüler in Mischtechnik auf Holzplatte bannt.

Sie hängen in einer Ausstellung des Bundes Bildender Künstler Osnabrück (BBK), die heute im Kunst-Quartier eröffnet wird. Unter dem Titel „My Stories and Yours“ werden Hakimi-Schülers Werke zwei Videoinstallationen von Natalie Gutgesell aus Coburg gegenübergestellt. Das gemeinsame Thema ist das Erzählen von Geschichten, die Kommunikation: die im Bild und die Kommunikation durch das Bild mit dem Betrachter.

In Gutgesells Installation „Promised Land“ werden Menschen auf einem Schachbrett gezeigt, die statisch in Verbindung stehen, zu einer folkloristischen Musik auch mal wie Spieluhr-Figuren eine Art Tanz aufführen, um sich dann wieder stereotyp zuzuwenden, ohne wirklich Kontakt aufzunehmen. Wie im wirklichen Leben spielen die Figuren ihre isolierten Rollen, funktionieren im entfremdeten gesellschaftlichen Regelsystem. Ein Außenseiter, der sich offenbar absondert, wird wie eine Art Autist charakterisiert, der sich nur mit sich selbst beschäftigt. Ähnlich arbeitet die Coburgerin auch in ihrem Werk „Interplay of human communication“.

Ebenfalls narrativ, aber nicht so verschlüsselt arbeitet Hakimi-Schüler mit ihren Bildern, die sie mit Buntstiften, Markern, Acrylfarbe und Ölkreide auf Holzplatte oder mit Öl auf Leinwand zeichnet beziehungsweise malt. In drei thematischen Blöcken erzählt sie ihre eigene Geschichte, indem sie Erinnerungen, Fotos und Skizzen im Bild umsetzt: das kleine Mädchen, das keine Kindheit hat, weil es während des Kriegs zwischen Iran und Irak aufwächst. Die Angst, das Schutzsuchen bei der Mutter. Das Erlebte spiegelt sich in Kriegsbildern mit Leichensäcken und Massenfriedhöfen wider. Und dann sind da die Bilder von heute: Seit 2000 lebt die Künstlerin in Deutschland, doch da ihre Familie in Teheran lebt, reist sie regelmäßig in die iranische Hauptstadt, wo sie in ihrem Atelier arbeitet. Dort entstehen die Vorlagen für die Werke, die sie in Deutschland realisiert. In großformatigen Ölbildern kombiniert sie beispielsweise Abbildungen von sich als Schulkind mit Regierungsbeamten und dem Löwen als Symbol für den iranischen Staat im Hintergrund. Die vielschichtige Spur der Erinnerung führt durch mehrere Etappen bis in die Jetztzeit.


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