„Fahrenheit 11/9“ im Kino Michael Moores Film vergleicht Trump mit Hitler

Michael Moore und Donald Trump: Vor 20 Jahren lachten sie miteinander im Talk-TV. Foto: Midwestern FilmsMichael Moore und Donald Trump: Vor 20 Jahren lachten sie miteinander im Talk-TV. Foto: Midwestern Films

Berlin. Stirbt mit Donald Trump die amerikanische Demokratie? In seiner Doku „Fahrenheit 11/9“ sucht Michael Moore Antworten.

Michael Moore knöpft sich Donald Trump vor: Seine Doku „Fahrenheit 11/9“ warnt vor einem autoritäten Amerika – und bemüht am Ende ohne Not den Hitler-Vergleich.


Der Titel: Was bedeutet „Fahrenheit 11/9“?

Vor 14 Jahren hat Michael Moore schon einmal den Titel von Ray Bradburys Roman „Fahrenheit 451“ geborgt – einer Dystopie über die USA als Diktatur. Die Doku „Fahrenheit 9/11“ (2004) schilderte, wie die Bush-Administration den 11. September für eine Beschneidung der Freiheitsrechte nutzte. Moores neuer Film warnt nun vor einem Trump’schen Autoritarismus – und dreht das Datum im Titel dafür einfach um: „Fahrenheit 11/9“ spielt auf den 9. November 2016 an, den Tag, an dem Trumps Sieg verkündet wurde. 

Wie zur Hölle wurde Trump Präsident?

Moore ruft noch einmal die ungläubige Verblüffung von damals wach, die Partystimmung, mit der das Clinton-Lager in die Niederlage rauschte, Umfragen, die Trump noch am Wahltag nur eine 15-prozentige Chance einräumten. Er schildert die liberalen Mehrheiten, die sich in den USA für Immigration und Krankenversicherung aussprechen, – und fragt dann: Wie zur Hölle konnte trotzdem ein Rechtspopulist Präsident werden? Zumal über gerarde diesen alles bekannt war: von seiner Frauenfeindlichkeit bis hin zum Rassismus.

Moore schildert, wie die Medien den Kandidaten um der Quote willen groß gemacht haben. Und er lässt nicht aus, wie naiv er selbst jahrelang mit dem Trump-Clan umgegangen ist: Jared Kushner hat die Premierenparty für Moores „Sicko“ (2007) ausgerichtet; Steve Bannon brachte den Film auf DVD raus. Immer wieder treibt „Fahrenheit 11/9“ bitteren Spott. Knallharte Clinton-Interviews werden zum Beispiel um die Zahl der sexuellen Übergriffe ergänzt, die den Interviewern inzwischen vorgeworfen werden. Auch die Demokraten nimmt Moore unter Beschuss – etwa im Vorwurf, die eigene Basis mit Hinterzimmer-Entscheidungen frustriert zu haben. Der Tonfall ist scharf, trotzdem wirkt die aggressive Polemik – Moores Markenzeichen–ausgerechnet beim Thema Trump zunächst gedrosselt.

Michigan: Ein Vorbild für Trump?

Tatsächlich geht es in den ersten 90 Minuten auch kaum um den 45. Präsidenten. Ein ausführliches Kapitel widmet sich stattdessen Rick Snyder. Dessen Zeit als Gouverneur von Michigan deutet Moore als Modellfall für einen systematischen Demokratieabbau. Snyder, ein Polit-Außenseiter aus der Wirtschaft, brachte die Mehrheit der schwarzen Bevölkerung unter nicht gewählte Notstandsverwaltungen; in Flint, Moores Heimatstadt, erlitten Tausende Kinder Bleivergiftungen, weil beim Großprojekt einer neuen Wasserversorgung gestümpert wurde. Die Doku beschreibt all das als Politik der rassistischen Selbstbereicherung – und als Testfall für Trumps eigene Agenda.

Der Entmündigung der Bürger setzt Moore dann die Basisdemokratie entgegen und schildert eine Reihe von Graswurzelbewegungen: den „March for our Lives“, mit dem Schüler nach dem Parkland-Amoklauf für Waffenkontrollen eintraten, das Engagement politischer Newcomer wie Rashida Tlaib oder Alexandria Ocasio-Cortez, die nach Drehschluss ins Repräsentantenhaus eingezogen sind. Moore sieht sie als Hoffnungsträger bei der Erneuerung eines Politbetriebs, den auch er – nicht anders als Trump – für verfilzt hält.

Trump und Hitler: Tragen die Analogien?

Erst der Schluss der Doku gilt dann wieder Trump direkt. Als würde eine mühsam zurückgehaltene Wut hervorbrechen, geht Moore rhetorisch nun doch noch ins Extrem und unterlegt Hitler-Aufnahmen mit einer Rede des US-Präsidenten. Die Montage leitet ein Warnung vor Trumps autoritären Attitüden ein, die mit starken Zitaten belegt wird: Mal kokettiert der US-Präsident mit einer verfassungswidrigen Verlängerung seiner Amtszeit, mal sinniert er im Spaß, ob er Journalisten ermorden würde oder nicht. Diese detailversessene Argumentation verwässert Moore ohne Not durch oberflächliche Analogien – bei denen der 11. September zum zweiten Reichstagsbrand wird. Das nimmt dem Essay am Ende die Kraft und passt auch schlecht zu Moores Sorge vor gewalttätigen Trump-Anhängern. Er hat ja Recht: Die Stimmung ist aufgeheizt. Warum also braucht es im Schlussakkord eine so angreifbare Provokation?

„Fahrenheit 11/9“. USA 2018. R: Michael Moore. 128 Minuten.

Mehr Kino: Superhelden, Polit-Kino, Remakes – über diese Filme werden wir 2019 sprechen


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