Kolumne Internet-Deutsch oder: Aua, mein Kopf

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Den Duden gibt es sogar im Internet. Seine Regeln scheinen dort aber nur bedingt zu gelten. Foto: dpa/Tim BrakemeierDen Duden gibt es sogar im Internet. Seine Regeln scheinen dort aber nur bedingt zu gelten. Foto: dpa/Tim Brakemeier

Osnabrück. In unserer wöchentlichen Kolumne „Silberblick“ berichtet die Kulturredaktion über mehr oder weniger skurrile Beobachtungen aus dem Alltag und Kulturleben. In dieser Woche geht es um Sprachmassakrierung und die Frage, warum sich Menschen so etwas gegenseitig antun.

Lesen kann wehtun. Nein, ich rede nicht von großer Literatur, die den Leser mit den Figuren leiden lässt, ihn an die Abgründe seiner eigenen Seele führt oder der Gesellschaft schonungslos den Spiegel vorhält (diese ebenfalls schmerzverursachende Floskel wollte ich schon immer mal irgendwo verwenden). Ich rede von Internetforen. In einigen trieb ich mich zuletzt herum, aus Gründen. Und viele, sehr viele, zu viele Beiträge fühlen sich beim Lesen an, als würde einem eine Kreissäge durch das Gehirn gezogen.

Es gibt Momente, in denen ich einen der Zu-Wort-Melder im Genick packen, mit der Nase voran an den Monitor drücken und sagen möchte: „Pfui! Böse! Aus!“ Leider ist das derzeit noch nicht möglich, ich setze meine diesbezüglichen Hoffnungen auf die Weiterentwicklung der Virtuelle-Realität-Technik. Bis dahin wird nur meine Tischkante mein Leid teilen, die immer dann mit einer frischen Biss-Spur verziert wird, wenn ich wieder mal ertragen muss, dass das Wörtchen „nen“ zu einer Art universell einsetzbarem Superartikel erhoben worden ist, von wem auch immer. 

Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht ja altmodisch, aber ich finde es mehr als nur ein wenig respektlos, seine Mitleser zu zwingen, sich durch ein Dickicht von Scheißegal-Tippfehlern, Grammatik-Unfällen und allgemeiner Sprachverunstaltung zu kämpfen – und das gleich mehrfach, denn mitunter braucht es zwei, drei oder fünf Versuche, bevor man auch nur ansatzweise versteht, was der Verfasser eigentlich sagen will. Ich gebe mir ja schließlich auch Mühe beim Texten. Ja, sogar bei SMS, Messenger, Whatsapp oder was auch immer. So.

Nun gut, einen Eisbeutel und ein paar Tassen Tee später habe ich mich in der Regel auch wieder beruhigt. Sprache entwickelt sich ja bekanntlich immer weiter, und niemand hat behauptet, dass diese Weiterentwicklung auch zwingend mit einer Verschönerung einhergehen muss. Wenigstens muss ich mittelfristig keine Sorgen haben, dass einer dieser Sprachtriebtäter mir meinen Job streitig macht.


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