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13.01.2019, 18:27 Uhr SKANDAL UM GEKREUZIGTEN IN HAIFA

Die Freiheit der Kunst gilt in jedem Fall

Von Dr. Stefan Lüddemann


Lustige Werbefigur? Ja, sicher, aber in Haifa sorgt ein Kunstwerk mit dem Motiv gerade für Ärger. Im Bild: Der Clown Ronald McDonald, aufgenommen 2016 in München (Bayern) bei der McDonald's Benefiz Gala 2016.  Foto: Tobias Hase/dpaLustige Werbefigur? Ja, sicher, aber in Haifa sorgt ein Kunstwerk mit dem Motiv gerade für Ärger. Im Bild: Der Clown Ronald McDonald, aufgenommen 2016 in München (Bayern) bei der McDonald's Benefiz Gala 2016. Foto: Tobias Hase/dpa

Osnabrück. Kunst wird nicht verboten. Ihre Freiheit wird mit dem Hinweis auf verletzte Gefühle von Minderheiten beschnitten. Aus Haifa kommt das jüngste Beispiel dieser Political correctness. Die Freiheit der Kunst ist dagegen auf jeden Fall zu verteidigen.

Natürlich unterstützt jeder die Meinungsfreiheit. Aber leider gibt es religiöse Gefühle, die verletzt wurden. Und deshalb soll wieder ein Kunstwerk abgehängt werden. Die katholischen Bischöfe des heiligen Landes führen vor, wie Intoleranz und Kunstfeindlichkeit heute funktionieren. Niemand gibt sich die Blöße, Kunst direkt zu verbieten. Der Hinweis auf das Missempfinden einer Minderheit ist eine viel wirkungsvollere Waffe. Sie arbeitet mit dem Zwang einer Political correctness, die jede Abweichung von Denk- und Sprechregelungen konsequent verfolgt.

Der Fall aus Haifa hat seine Vorläufer und Parallelfälle. Vor Jahren sorgte bereits die Figur eines gekreuzigten Frosches von Martin Kippenberger im Kunstmuseum von Bozen für einen Skandal. Heute werden Kunstwerke angefeindet, die angeblich sexistisch sind. Ob Bilder von Ernst Ludwig Kirchner oder anderen – Kunst steht heute wieder auf dem Index. Einfach unglaublich.

Dabei wäre dem Künstler, der nun im Kreuzfeuer der Kritik steht, zugute zu halten, dass er den leichtfertigen Gebrauch christlicher Symbole in der Konsumkultur kritisiert. Aber nicht einmal das hilft ihm. Es hilft auch nichts: Die Freiheit der Kunst gilt, die Freiheit nämlich, Grenzen des gewohnten Geschmacks und der ritualiserten Gebräuche zu überschreiten. Mit Hilfe der Kunst stellen sich freie Gesellschaften selbst zur Diskussion. Darin besteht ihr sozialer Nutzen und kommunikativer Sinn. Und der steht nicht zur Disposition.



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