Vorschau auf die Klassik-Höhepunkte Musikjahr 2019: Endlich singt Netrebko in Bayreuth

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Salzburg hat sie regelmäßig: Anna Netrebko (links) und Ekatarina Semunchuk bei den Salzburger Festspielen. Jetzt kommt Netrebko endlich nach Bayreuth. Foto: Barbara GindlSalzburg hat sie regelmäßig: Anna Netrebko (links) und Ekatarina Semunchuk bei den Salzburger Festspielen. Jetzt kommt Netrebko endlich nach Bayreuth. Foto: Barbara Gindl

Osnabrück. Ein Debüt bei den Bayreuther Festspielen hat das Zeug zum Klassik-Höhepunkt des Jahres. Ansonsten feiert die Musikwelt den Erfinder der Operette und die Wiener Staatsoper - und sie bereitet sich auf das Beethoven-Jahr 2020 vor.

Für Vorstellungen mit Anna Netrebko bei den Salzburger Festspielen an Tickets zu kommen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, selbst wenn Preise astronomische Höhen erklimmen. In Bayreuth wäre das vermutlich ähnlich gelaufen – deshalb gibt man dort die Wahrheit nur scheibchenweise preis: Dass die Netrebko kommt, war schon bekannt, bevor die Bayreuther Festspiele im letzten Jahr begannen. Wann sie allerdings kommt, hat die Festspielleitung zunächst für sich behalten, um beim Vorverkauf keine Unwucht zu erzeugen. „Eine Konzentration auf zwei Vorstellungen wäre unerwünscht gewesen“, sagt Peter Emmerich, der Pressesprecher der Bayreuther Festspiele. Außerdem habe man abwarten wollen, bis wirklich alle Verträge unter Dach und Fach seien. Weiterlesen: So ist der aktuelle Bayreuther "Lohengrin"

Debüt und Derniere?

Das ist noch vor Silvester passiert, und so darf sich nun auf Anna Netrebkos Elsa freuen, wer Tickets für eine der beiden „Lohengrin“-Vorstellungen mit der Sopranistin ergattert hat. Ob dem noch weitere Auftritte folgen? Da wiegelt Emmerich ab: Sie sei ja keine Wagner-Sängerin, sagt er – gut möglich, dass aufs Bayreuth-Debüt am 14. August bereits am 18. August Anna Netrebkos Bayreuth-Derniere folgt. Umso exklusiver wird das Erlebnis für die 4000 Gäste, die den beiden Vorstellungen beiwohnen werden. Und das zum regulären Ticketpreis, ganz ohne Spitzenspiel-Zuschlag. Und wer weiß: Eine kleine Chance auf ein Ticket besteht, wenn im März das Kontingent an Restkarten online verkauft wird.

Und noch einmal Wagner: Abseits der großen Zentren hat sich in den vergangenen Jahren Minden als ernst zu nehmender Wagner-Spielort einen guten Ruf erworben. So sang dort Andreas Schager seinen ersten „Tristan“, 2012 war das. 2015 hat man dort begonnen, den „Ring des Nibelungen“ zu erarbeiten; in aller Stille und Ernsthaftigkeit haben Regisseur Gerd Heinz und Dirigent Frank Beermann Jahr für Jahr einen Teil der Tetralogie auf die Bühne des Stadttheaters in Minden gebracht. Im September stehen nun die zyklischen Aufführungen des „Ring“ an, der Vorverkauf beginnt im Februar. (www.ring-in-minden.de)

Gegenentwurf zu Wagners Geschwurbel

Zuviel des Guten, zuviel Wagner? Wer den größtmöglichen Kontrast zum bedeutungsschwangeren Werk des Dresdner Welterklärers sucht, sei an Jacques Offenbach erinnert. Der kam am 20. Juni 1819 in Köln zur Welt, ging zum Studium nach Paris und erfand dort das Genre der Operette – leichtfüßige Unterhaltung, die, scharf gewürzt mit Satire und Ironie, das politische Tages- und Weltgeschehen aufs Korn nahm. Also der knackige Gegenentwurf zu Wagners mystischem Geschwurbel. Die Stadt Köln feiert ihren berühmten Sohn mit einem umfassenden Kulturprogramm: Unter dem Titel „Yes, we can can“ gibt es ein reichhaltiges Programm aus Ausstellung, Lesung, Konzert und Musiktheater - rheinischer Frohsinn gepaart mit Pariser Leichtigkeit. (www.yeswecancan.koeln)

Für diese Mischung pflegt Wien durchaus ebenfalls ein ausgeprägtes Faible und reichert das noch an mit einem Schuss schwarzer Morbitität. So wäre es doch mal eine Ansage gewesen, den 150. Geburtstag der Wiener Staatsoper mit der Wiener Operette schlechthin, der „Fledermaus“ von Johann Strauß zu feiern. So weit wollte man sich aber offenbar nicht mit Wiener Leichtlebigkeit aus den Fenstern des Hauses am Opernring 2 hängen. Zu einer Uraufführung wollte man sich offenbar auch nicht durchringen; stattdessen wird ein Doppeljubiläum gefeiert: Zum 150. Geburtstag gibt es die Neuinszenierung der „Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss, die ebendort vor 100 Jahren aus der Taufe gehoben worden ist. Christian Thielemann dirigiert, Stephen Gould, Camilla Nylund, Evelyn Herlitzius, Wolfgang Koch und Nina Stemme singen – das verspricht klangopulentes Musiktheater. Inhaltlich bleibt die Oper indes ein Werk, das den Errungenschaften der Emanzipation ein traditionelles, um nicht zu sagen: reaktionäres Rollenbild entgegensetzt. Weiterlesen: "Frau ohne Schatten" bei den Salzburger Festspielen

Aber Emanzipation hin, Strauss her: In Wirklichkeit richten sich eh jetzt schon alle Augen und Ohren auf das nächste Jahr. Da feiert die Musikwelt den 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven, und dieses Ereignis prägt jetzt schon Spielpläne, CD- und Verlagskataloge, Konzertprogramme. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Na dann: Prosit Neujahr.


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