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28.12.2018, 17:41 Uhr KOMMENTAR: STÜCK ÜBER MERKEL

Szenen aus der Bundestagskita

Von Christine Adam


Autorin Katja Hensel hat ein Theaterstück über Angela Merkel geschrieben. Foto: Carmen Jaspersen/dpaAutorin Katja Hensel hat ein Theaterstück über Angela Merkel geschrieben. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Osnabrück. Was will uns die Tragikomödie "Angela I." Neues erzählen über Macht und Politikverdrossenheit der Merkel-Ära? Als böse Manipulatorin des Volkes wie in Mike Daiseys "Trump" wird sie wohl nicht dargestellt – ein Kommentar.

Angela Merkel bekommt nun ihr erstes eigenes Theaterstück – obwohl sie anders als etwa ihr politischer Ziehvater Helmut Kohl wohl nicht als große Kanzlerin in die Geschichtsbücher eingehen wird.

Wenn schon nicht Person und Biografie der Kanzlerin im Zentrum stehen, was will Autorin Katja Hensel denn Neues erzählen über Macht und Politikverdrossenheit unserer Tage? Versucht sie sich vielleicht an Antworten auf die große Frage, welche europäische Zukunftsvision Angela Merkel im Sommer 2015 bei ihrem Satz „Wir schaffen das“ vor Augen stand? Analysiert das Stück politische Fehler, entwirft es ein Psychogramm wie Mike Daiseys „Trump“ vor knapp zwei Jahren in Dortmund? Daiseys These: Trump traut sich was, während alle anderen es mit sich machen lassen, auch wenn er ihnen am Ende alles wegnimmt. Das Volk als unmündige, manipulierbare Kinderschar also.

Hensels Bundestagskita in „Angela I.“ könnte in eine ähnliche Richtung weisen. Nur fehlt hier offenbar die böse Strippenzieherin. Denn Politikerbashing habe die Tragikomödie nicht im Sinn, heißt es. Vielleicht wird aber das kindische Wahlvolk abgewatscht, weil es sich mit den Migrationsfolgen und anderen Problemen alleingelassen fühlt. Vielleicht geht es aber auch intelligenter zu.


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