Theaterstück für Angela Merkel Die Kanzlerschaft als Tragikomödie

Bringen die Kanzlerin auf die Bühne: Regisseur Stefan Otteni und  Autorin Katja Hensel. Foto: dpa/Carmen JaspersenBringen die Kanzlerin auf die Bühne: Regisseur Stefan Otteni und Autorin Katja Hensel. Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Bremen. Nach Altkanzler Helmut Kohl und US-Präsident Donald Trump bekommt jetzt auch Angela Merkel ein eigenes Theaterstück. Nach Ansicht von Autorin Katja Hensel ist sie eine spannende Figur für die Bühne.

Nüchtern, ruhig und überlegt – so kennt man Angela Merkel. Als Autorin Katja Hensel den Auftrag bekam, ein Theaterstück über die Kanzlerin zu schreiben, war sie zunächst skeptisch. „Erst habe ich gedacht, sie ist doch keine theatralische Figur.“ Doch umso länger sie sich mit der Kanzlerin beschäftigte, umso spannender fand Hensel sie. „Sie überrascht permanent. Es gibt so viele Facetten an dieser Frau, die im Unklaren bleiben.“

Uraufführung im Februar

Nach monatelanger Arbeit hat Hensel das Stück „Angela I.“ fast fertig geschrieben. Die Bremer Shakespeare Company hat bereits mit den Proben begonnen. Für Ende Februar ist die Uraufführung geplant. Noch fehlt das Ende des Stückes. Doch darüber ist Hensel ganz froh, da sich politisch in den vergangenen Monaten viel verändert hat wie Merkels Rückzug als CDU-Vorsitzende. „Manches habe ich wieder komplett neu geschrieben.“

Das Leben und die Karriere von Politikern gaben schon immer viel Stoff für Theater und Film her. So brachte das Mannheimer Nationaltheater gerade eine Charakterstudie über Altkanzler Helmut Kohl auf die Bühne. An US-Präsident Donald Trump haben sich unter anderen Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und Oscarpreisträger Michael Moore in Theaterstücken abgearbeitet. Auch über Willy Brandt, Winston Churchill und Magaret Thatcher gibt es diverse Werke.

Blick auf das Volk

„Angela I.“ verfolgt jedoch einen ganz eigenen Ansatz. Die Kanzlerin ist zwar die Hauptfigur, ihre Biografie spielt darin aber keine Rolle. In dem Stück geht es um grundsätzliche Fragen wie Macht, Politikverdrossenheit und die Entfernung zwischen Politikern und Bürgern. „Es richtet den Blick auf das Volk“, erläutert Regisseur Stefan Otteni. Und Hensel ergänzt: „Woher kommt es, dass ein Volk sagt, es werde nicht abgeholt – so als würde es an einer Bushaltestelle stehen? Was ist das für ein Politikverständnis?“ All das will Hensel anhand der ewigen Kanzlerin Angela Merkel demonstrieren – ganz nah an der Realitätnach dem Vorbild Shakespeares, der stets über eine Figur die Realität erzähle, betont Otteni. An einer Wand im Probenraum hängen zahlreiche Fotos von Merkel: als Kind, als Jugendliche, als Politikerin bei verschiedenen Anlässen. Eins zeigt sie und ihren Mann beim Baden. „Wo ist eigentlich Joachim Sauer?“, fragt eine Schauspielerin, während das Ensemble über den Text spricht.

Ausloten der Ära

Hensel hat „Angela I.“ als Tragikomödie angelegt. „Es ist ein Ausloten der Ära Merkel. Es geht nicht darum, sie auf ein Podest zu heben. Aber es ist auch kein Politikerbashing.“ Für das etwa zwei Stunden lange Stück hat die Autorin zahlreiche Interviews mit Merkel gelesen und geguckt sowie mit Leuten aus dem Bundestag gesprochen. Mit der Kanzlerin gesprochen hat sie aber nicht. „Wir werden sie natürlich zur Premiere einladen“, verspricht Otteni und fügt gleich hinzu, dass die Shakespeare Company das Stück länger im Programm bleiben werde – falls die Kanzlerin erst nach Ende der Ära Merkel Zeit für einen Theaterbesuch finde. dpa


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