Neues von Jodi Picoult und Mats Strandberg Spannende Buchtipps für kalte Tage auf der Couch

Im Winter gibt es nichts Besseres als gemütlich auf dem Sofa zu sitzen und ein spannendes Buch zu lesen. Foto: Colourbox.deIm Winter gibt es nichts Besseres als gemütlich auf dem Sofa zu sitzen und ein spannendes Buch zu lesen. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Eine afroamerikanische Krankenschwester, die angeklagt wird, das Baby eines Rassisten umgebracht zu haben, eine plaudernde Hündin, ein gruseliges Altenheim, Geschichten für rebellische Mädchen, eine Zukunft, in der Frauen nur 100 Wörter sprechen dürfen, und ein intensiver Thriller: Unsere Buchtipps für kalte Winterabende.

„Kleine große Schritte“ von Jodi Picoult 

Die US-amerikanische Schriftstellerin Jodi Picoult ist bekannt dafür, brisante Themen in süffig zu lesende Romane zu verpacken. In „Neunzehn Minuten“ schildert sie die Ursachen des Amoklaufs eines Schülers und in dem Roman „Beim Leben meiner Schwester“ die Geschichte eines Mädchens, das als Knochenmarkspenderin für ihre Schwester gezeugt wurde. Auch in „Kleine große Schritte“ bleibt sich Picoult ihrer schwierigen moralischen Themen treu.

Die erfahrene Säuglingsschwester Ruth Jefferson übt ihren Beruf mit Leidenschaft aus, mit Ehrgeiz hat sich die Afroamerikanerin durch die Schule gekämpft. Umso schmerzhafter ist es für sie, als ein Mann ihr verbietet, seinen neugeborenen Sohn anzufassen. Als das Baby Herzprobleme hat, steht sie vor einem Dilemma, greift aber trotzdem ein. Der Junge stirbt dennoch – und der Vater ist unerbittlich in seiner Trauer. Ruth landet vor Gericht und muss einen nervenaufreibenden Prozess durchstehen.

Jodi Picoult bedient sich in „Kleine große Schritte“ ihrem altbewährten Erzählstil: Abwechselnd schildert sie die Ereignisse aus Sicht von Ruth und dem Rassisten Turk. Dadurch werden die unterschiedlichen Lebensweisen besonders gut greifbar und der Roman flüssig lesbar. Wer jetzt glaubt, die Autorin hätte sich unüblicherweise in die Vergangenheit begeben, irrt: Der Roman spielt jetzt und nicht in den 50er-Jahren. Ein aktuelles Stück Zeitgeschichte, das berührt und betroffen macht, aber beide Seite glaubhaft darstellt. Wer die Bücher von Jodi Picoult noch nicht kennt, sollte unbedingt mit „Kleine große Schritte“ in ihr Werk einsteigen.  (Weitere spannende Bücher finden Sie in diesen Tipps.)

Cover: Bertelsmann Verlag

„Vox“ von Christina Dalcher 

Christina Dalcher schildert in ihrem dystopischen Roman „Vox“ eine traurige Zukunft: Frauen dürfen in den USA nicht mehr als 100 Worte am Tag sprechen. Verstoßen sie dagegen, bekommen sie Stromstöße durch ein Armband, ähnlich einer Fußfessel für Gefangene. Wer sich an die rückständige Politik von Donald Trump erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch. In dem Zukunftsszenario führt ein Mann die USA an, der von Frauen ähnlich viel hält wie der aktuelle Präsident. Hübsch sein, Kinder versorgen und den Mund halten – mehr dürfen Frauen nicht.

Sprachwissenschaftlerin Jean McClellan will dieses neue Gesetz erst nicht wahrhaben, muss aber schmerzhaft erfahren, dass Widerstand zwecklos ist. Bis ihr die US-Regierung ein Angebot macht, das sie nicht ablehnen kann. Vorsicht: Wer diesen Roman liest, ist Männern gegenüber nicht gut gesonnen. Alle kommen schlecht weg – die Mitglieder der Regierung, Jeans Mann und schließlich sogar ihre Söhne führen sich als rückständige Machos auf. Ein kleiner Wermutstropfen in einem an sich spannenden Szenario, das bisweilen an den Roman „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood erinnert. Wer an Dystopien Freude hat, kann aber über dieses stereotype Manko hinwegsehen.  (Weiterlesen: The Handmaid‘s Tale: Wovon handelt die Emmy-prämierte Serie?)

Cover: S. Fischer Verlag

„Guten Morgen Miss Happy“ von Moritz Matthies 

Was würden Haustiere wohl erzählen, wenn sie reden könnten? Autor Moritz Matthies, bekannt für seine humorvollen Erdmännchen-Krimis, widmet sich in seinem neuen Buch „Guten Morgen Miss Happy“ dieser Frage. Der 50-jährige Walter entdeckt eines Tages, dass seine Hündin Miss Happy reden kann – und fortan strapaziert sie seine Ohren. Denn Miss Happy hat zu allem und jedem eine Meinung, die sie kundtun muss. Witzige Dialoge und philosophische Debatten: Walter und Miss Happy tauschen sich rege aus.

Dabei entlarvt Matthies die Marotten von Hunden und ihren Besitzern. Tier im Bett verboten? Miss Happy findet schnell raus, dass sie nur lange quatschen und starren muss, um ins gemütliche Bett hüpfen zu dürfen. Kleidung, Diäten, Stress, aber auch über Leben und Tod geht es in dem amüsanten und kurzweiligen Roman, in dem sich Hundebesitzer wiederfinden dürften.  (Sie möchten lieber fernsehen als lesen? Dann schauen Sie sich gerne unsere Serientipps für einen Marathon an.)

Cover: Rowohlt Verlag

„Das Heim“ von Mats Strandberg 

Der schwedische Autor Mats Strandberg wird gerne mit Horror-Autor Stephen King verglichen, weil er den Horror im Alltag schildert. Bereits sein Debüt über eine gruselige Fahrt mit einer Ostseefähre wurde in Deutschland und Skandinavien zum Bestseller. Auch sein zweites Werk „Das Heim“ könnte ein Verkaufshit werden. Strandberg schildert darin das Dilemma, ein pflegebedürftiges Elternteil in einem Heim unterzubringen. Joel kann sich um seine demenzkranke Mutter nicht kümmern und muss sie in das Heim „Nebelfenn“ bringen, was ihm sehr schwerfällt. Doch dort warten nicht nur unangenehme Erinnerungen auf ihn, weil seine Jugendfreundin Nina in dem Heim arbeitet, sondern auch das Grauen. Der Zustand seiner Mutter verschlechtert sich rapide, sie wird ausfallend und gibt dunkle Geheimnisse preis, die sie eigentlich nicht wissen kann. Lebt das Böse in „Nebelfenn“?

Mats Strandberg stellt in „Das Heim“ ein sensibles Thema und ein moralisches Dilemma in den Mittelpunkt: die Pflege der Eltern abzugeben. Sich eingestehen zu müssen, nicht mehr für sie sorgen zu können und mit dem Gedanken leben zu müssen, sie abgeschoben zu haben. Strandberg nähert sich dem Thema in Form des Horrorromans auf untypische Art: Ist seine Mutter wirklich dement oder spricht das Böse aus ihr? Kann er sich selbst noch trauen? Ohne große Schockmomente, aber dafür mit leichtem Grusel überzeugt „Das Heim“ und wirkt nach.

Cover: Tor Verlag

„Good Night Stories for Rebel Girls“ von Elena Favilli und Francesca Cavallo 

Der Erzählband „Good Night Stories for Rebel Girls“ sticht aus allen Kinder- und Jugendbüchern hervor, denn er widmet sich ausschließlich Frauen, die Großes geschafft haben – und ist dabei wunderschön illustriert. Forscherinnen, Politikerinnen, aber auch aktuelle Aktivistinnen wie Malala Yousafzai werden in dem Buch porträtiert. Ein Band, der Mädchen Mut machen soll, den eigenen Träumen zu folgen.

Aufgrund eines Videos wurde „Good Night Stories for Rebel Girls“ der größte Erfolg in der Geschichte des Crowdfundings für Bücher: Nachdem das Video der Autorinnen viral ging, sammelten sie innerhalb kürzester Zeit eine Million Dollar für die Umsetzung ein.


Die Porträts in dem Buch sind kurz, aber eindringlich, manchmal aber doch zu simpel. Das Wirken von Frauen wie Margaret Thatcher kann man nicht auf einer Seite zusammenfassen, für kritische Worte bleibt kein Raum. Dennoch ist der Erzählband voller mutmachender Geschichten – nicht nur für Kinder und junge Mädchen, auch für Erwachsene. 

Cover: Hanser Verlag

„Noch war es Nacht“ von Antonella Lattanzi 

Carla und Vito waren 20 Jahre verheiratet, ihre Beziehung war geprägt von Gewalt und krankhafter Eifersucht. Zwar hat er nie ihre Kinder geschlagen, aber sie haben mitbekommen, wie er ihre Mutter behandelt hat. Nach dem Geburtstag seiner jüngsten Tochter verschwindet Vito – kurz darauf wird seine Leiche gefunden. Carla gesteht den Mord – doch hat sie ihn wirklich ermordet? Was ist in der Nacht seines Verschwindens geschehen?

 „Noch war es Nacht“ der italienischen Autorin Antonella Lattanzi ist zum einen ein klassischer Thriller, in dem es um die Frage nach Schuld geht. Aber der Roman ist vor allem ein Einblick in die Gefühlswelten der Hauptfiguren. Die Autorin verleiht ihren Charakteren Tiefe und verliert nie die Spannung aus dem Blick – es gibt einige überraschende Wendungen. Doch „Noch war es Nacht“ ist vor allem ein psychologisches Drama, das auslotet, warum wir nicht aufhören können, jemanden zu lieben, der uns verletzt.

Cover: Rowohlt Verlag



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