Kunst ohne Politik Valery Gergiev eröffnet das Kulturprogramm „Russische Saison“

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Russische Freunde: Anna Netrebko und Valery Gergiev mit den Wiener Philharmonikern beim Sommernachtskonzert 2018 in Wien. Foto: Terry LinkeRussische Freunde: Anna Netrebko und Valery Gergiev mit den Wiener Philharmonikern beim Sommernachtskonzert 2018 in Wien. Foto: Terry Linke

Berlin. Im Jahr 2019 präsentiert die Regierung der Russischen Föderation in Deutschland Höhepunkte der russischen Kultur. Das verspricht die Veranstaltungsreihe „Russische Saison“, die nun bei einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt worden ist.

Die Verkehrssprache an diesem Nachmittag im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in der Friedrichstraße ist russisch. Nur Botschafter Sergej J. Netschajew richtet ein paar Worte auf Deutsch an die Handvoll Journalistinnen und Journalisten, die an der Pressekonferenz zur Vorstellung der „Russischen Saison 2019“ teilnehmen, und die etwas grimmig dreinblickende Übersetzerin. Netschajew kündigt eine „breit angelegte“ Veranstaltungsreihe an, die „bundesweit“ stattfinden soll, und er verspricht das beste, was Musik, bildende Kunst, Theater, Kino und Tanz, die russische Kulturszene mithin, anzubieten haben. Außerdem würdigt er die deutsch-russischen Beziehungen, nennt sie „freundschaftlich“ und „Jahrhunderte alt“. Sie zu stärken, sei das Ziel der „Russischen Saison“, sagt er. Womit er das Wort an Valery Gergiev übergibt.

Der ist ein Stardirigent, zu recht, wie er am selben Abend bei einem Konzert mit den Berliner Philharmonikern in der Philharmonie beweist. Russische Kultur und natürlich speziell russische Musik sind ihm ein Herzensanliegen, und das macht ihn zum perfekten Werbeträger für das Projekt. Mit leiser, rauer Stimme erzählt er von der „Russischen Saison“ im zu Ende gehenden Jahr, in dem Italien Gastgeber war. Außerdem unterstreicht er die lange Tradition deutsch-russischer Kulturbeziehungen; die gelte es weiterzuführen. Deshalb eröffnet er selbst die Veranstaltungsreihe am 7. Januar in der Berliner Philharmonie: Unter seiner Leitung führen Ensemble und Orchester des Mariinsky-Theaters St. Petersburg Oper „Jolanthe“ von Peter Tschaikowsky auf. 

Überhaupt scheint Tradition ein wichtiges Stichwort zu sein. Gergiev nennt Richard Wagner und Richard Strauss als berühmte Gäste in Russland, er spricht von den vielen Dirigenten und Musikern, allen voran Herbert von Karajan, der in Russland gastiert hat, obwohl der Kalte Krieg die diplomatischen Beziehungen mit einer meterdicken Eisschicht überzogen hat. Die Tradition der Russischen Saison reicht allerdings noch weiter zurück, auf Sergej Djagilew, den legendären Gründer der noch legendäreren Kompanie „Ballets Russes“. Djiagilew hat 1909 in Paris seine erste „Saison russe“ ausgerufen. Darauf bezieht sich das Kulturministerium der Russischen Föderation. Und Eines stellt Gergiev noch klar: „Die ,Russische Saison’ ist keine politische Veranstaltung.“ Es gehe darum, das „breite Panorama der russischen Kunst“ in Deutschland darzustellen. 

Das könnte nun das Stichwort für den dritten Redner sein, für Alexej Lebedew. Der leitet die gemeinnützige Gesellschaft „Russische Saison“ und scheint in dieser Funktion für die Organisation der Veranstaltungsreihe zuständig zu sein. Er spricht in eigenen Worten noch einmal über Djagilew und „Jolanthe“, sagt auf Nachfrage lediglich, das Programm stehe. Erst im Anschluss an die offizielle Pressekonferenz rückt er mit einer Liste heraus, die Stichpunkte zum Programm verzeichnet. 

Die Liste verzeichnet Theaterproduktionen und Ausstellungsprojekte sowie Konzerte und Opernproduktionen in den edelsten Adressen der Republik: Elbphilharmonie, Festspielhaus Baden-Baden, Alte Oper Frankfurt, Münchner Gasteig, Berliner Philharmonie. Dort sind die Konzerte tatsächlich aufgeführt; es sind Konzerte des Mariinsky-Theaters und -Orchesters unter der Leitung von Valery Gergiev. Noch fehlt auf den Homepages der Konzerthäuser der Hinweis auf die „Russische Saison“ und deren Signet mit dem kreisrunden Feuervogel, das auf einem Aufsteller im Raum der Pressekonferenz prangt. Aber Lebedew verweist auf Pressekonferenz am 7. Januar anlässlich der Eröffnung der Russischen Saison.


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