Deutsch-russische Freundschaft Valery Gergiev dirigiert die Berliner Philharmoniker

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Dirigent mit Sinn fürs Filigrane: Valery Gergiev leitet die Berliner Philharmoniker. Foto: Stephan RaboldDirigent mit Sinn fürs Filigrane: Valery Gergiev leitet die Berliner Philharmoniker. Foto: Stephan Rabold

Berlin. Seit gut 25 Jahren arbeiten die Berliner Philharmoniker mit dem russischen Stardirigenten Valery Gergiev. Jetzt wurde die Zusammenarbeit neu belebt.

Valery Gergiev ist kein Dirigent der großen Posen. Eher gibt er filigrane Zeichen. Wenn er den Taktstock in die Hand nimmt, dann einen von der Größe eines Kugelschreibers. Den hält er dann mit Daumen und Zeigefinger, während die drei anderen Finger der rechten Hand auf einer unsichtbaren Klaviatur spielen. Häufig aber deutet er Nuancen in der Musik nur mit den Fingern, mit der Hand, mit den Armen an.

Tanz und Klangfarben

Das hat bezaubernde Effekte. Am Freitagabend steht er in der Berliner Philharmonie vor den Berliner Philharmonikern, und er dirigiert dabei ein Programm, das einerseits viel mit Tanz zu tun hat, noch mehr aber mit Klangfarben. Zarteste Klänge lässt er die Streicher in „Prélude à L’après-midi d’un faune“ von Claude Debussy spielen, ein hauchzarter Schleier, der bis an die Grenze der Unhörbarkeit Substanz und feste Struktur hat. 

Das weitere Programm widmet Gergiev seiner russischen Heimat: Rimsky-Korsakow, Prokofjew und Stravinsky. Da überraschen dann in vier Orchesterbildern aus der Oper „Der Goldene Hahn“ von Rimsky-Korsakov Anklänge an jüdische Musik, und in bestimmten Motiven klingt bereits Debussys „Faun“ an. Prokofiews „Aschenputtel“ pendelt zwischen Humor und slawischer Schwermut, die sich wiederum zu echter Grandezza aufschwingt, und Stravinsky gibt sich milde, ist aber schon deutlich auf dem Weg zum handfesten Skandal, den sein „Sacre“ ein paar Jahre später auslösen sollte. Das zeigt: Radikalität entsteht nicht aus dem Bauch und schon gar nicht aus dem Moment, sondern entwickelt sich mit aller Bedacht.

Klangmaler Gergiev

Gergiev und die Berliner Philharmoniker legen bei all dem großen Wert darauf, musikalische Strukturen offenzulegen und klangliche Raffinesse herauszuarbeiten. Das tragfähige Piano und der seidige Glanz der Streicher sind bezaubernd, genauso die Bläsersolisten. Wie ein Maler auf seiner Palette mischt Gergiev edelste Farben, lässt sie übergangslos ineinander übergehen und hebt gleichzeitig Melodielinien filigran hervor. So treffen die Berliner Philharmoniker Prokofjews humoristischen Ton und den schwermütigen ebenfalls, und natürlich können sie in aller Pracht strahlen. Dabei weiß Gergiev die Kräfte fein zu dosieren: Den hellsten, mächtigsten Glanz hebt er sich für den Schluss auf, fürs Finale des „Feuervogels“. Ekstatische Klänge sind das, die fabelhaft Gestalt annehmen - das nennt man wohl Klangkultur.


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