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07.12.2018, 18:45 Uhr KOMMENTAR: FRANKFURTER OPER

Wie selbstlos sind die guten Gaben?

Von Christine Adam


Sanierungen und Neubauten sind teuer: Die Doppelanlage in Frankfurt (großes Bild) muss dringend saniert werden. Foto: dpaSanierungen und Neubauten sind teuer: Die Doppelanlage in Frankfurt (großes Bild) muss dringend saniert werden. Foto: dpa

Osnabrück. Ein kapitalkräftiges Engagement von Privatleuten wie in Frankfurt ist vorbildlich. Aber nur, wenn damit nicht Privatinteressen verfolgt werden – ein Kommentar.

Erster Gedanke: Ein derart kapitalkräftiges Engagement für ein neues Opernhaus wie in Frankfurt ist großartig und vorbildlich. Es demonstriert, wie wichtig finanzstarken Bürgern ihr Theater ist. Die Kulturpolitik muss mit ihren Subventionen für Theaterbauten und Spielpläne nicht länger allein Flagge zeigen. Kleinere Städte dagegen, die meist nicht so viele potente Geldgeber wie Frankfurt beherbergen, können von den satten 50 Millionen Euro aus privater Hand für ihre altersmaroden Bühnen nur träumen. Mit dieser Summe ließe sich eine Kernsanierung schon weit über die Hälfte finanzieren.

Zweiter Gedanke: Hoffentlich fließt die gute Gabe aus Bürgerhand nicht nur zweckgebunden, also in einen Neubau. Es stellt sich doch grundsätzlich die Frage über Frankfurt hinaus: Falls Gutachten eine Sanierung der vorhandenen Bühnenanlage für sinnvoller und kostengünstiger halten, rollt der private Rubel dann auch in dieses Projekt und nicht nur in einen Neubau? Geht es den Mäzenen mehr um die Bühnenkunst oder mehr um das Prestige? In Frankfurt liegt der Fall allerdings besonders: Neubau und Sanierung würden sich kostenmäßig die Waage halten.

 Letztlich hilft bürgerschaftliches Engagement nur dann wirklich reibungslos, wenn es nicht Privatinteressen verfolgt, sondern möglichst mit den Verantwortlichen an einem Strang zieht.


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