Immer noch Rebell? Marius Müller-Westernhagen wird 70

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Gut gelaunt: Marius Müller-Westernhagen feiert heute seinen 70. Geburtstag. Foto: dpa/Tim BrakemeierGut gelaunt: Marius Müller-Westernhagen feiert heute seinen 70. Geburtstag. Foto: dpa/Tim Brakemeier

Osnabrück. Seit über 50 Jahren geht Marius Müller-Westernhagen, der singende Schauspieler aus Düsseldorf, durch dick und dünn. Am 6. Dezember 2018 feiert er seinen 70. Geburtstag.

Mit einer hohlen Phrase zum Popstar: Mit dem Lied „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ sang sich Marius Müller-Westernhagen 1978 in den Rock-Olymp. Griffig war der Refrain des Songs, der sich anhörte, als müsse ein erwachsener Mann seine Teenagerrebellion nachholen. Aber gerade wegen seines spätpubertären, unkorrekten Textes war das Lied alsbald in aller Munde. Über eine Millionen Exemplare verkaufte der damals 30-jährige, singende Schauspieler von dem gleichnamigen Album. Heute wird Marius Müller-Westernhagen 70 Jahre alt. Und irgendwie fühlt sich der Schlacks in der Rolle des rüpelhaften Draufgängers immer noch wohl.

Daher machte es dem gebürtigen Düsseldorfer auch gar nichts aus, seinen Abschied von den großen Bühnen, den er 1999 vor über 100000 Zuschauern in Hamburg bekannt gab, bereits sechs Jahre später zurückzunehmen. Allerdings waren es nicht mehr die Stadien, in denen er dann auftrat, sondern „kleinere Hallen“. Immerhin waren es fast 7000 Zuschauer, die Westernhagens Ruf 2015 nach der Veröffentlichung seines Albums „Alphatier“ in das Gerry Weber-Stadion folgten. Und auch da beliebte der Sänger anzuecken: Zu vielen Songs ließ er verstörende Bilder von toten Tieren, kämpfenden Soldaten, von Gebeinen und gequälten Menschen über die Leinwand hinter der Bühne flimmern. Empörte Reaktionen von Fans, die lieber zu harmloseren Liedern wie „Sexy“ abfeiern wollen, waren die Folge.

Aber das kann einem Mann, der einst als „Theo“ gegen den Rest der Welt kämpfte“, doch wirklich egal sein. Obwohl der Sohn des Schauspielers Hans Müller-Westernhagen schon früh in die Fußstapfen seines Vaters trat - als 14-Jähriger trat er erstmals in einem Film auf -, so war seine Musiker-Karriere schon von Erfolg gekrönt, bevor er als glückloser Transportunternehmer Theo Gromberg auch auf der Leinwand zum Star wurde.

So, wie er in dem Film den ewigen Verlierer gibt, ist die Karriere des Sängers mit der nöhligen Stimme nicht nur von Höhen geprägt. Als Westernhagen in den 80er Jahren mit elektronischen Klängen experimentiert oder Musik von Bert Brecht und Kurt Weil interpretiert, gehen die Verkaufszahlen seiner Alben merklich zurück.

Dass er es aber wohl immer recht rebellisch mag, zeigte sich 1983, als ein gewisser John Lydon mit seiner Band Public Image Ltd., kurz PiL genannt, in der Bochumer Zeche auftrat. Westernhagen hatte sich bei Lydon, dem ehemaligen Sänger der Sex Pistols, auf die Gästeliste schreiben lassen. Gemeinsam verbrachten die beiden nach dem Konzert eine aufregende Nacht an der Bar, wobei das Interesse des Düsseldorfers neben der ausgesprochen unterhaltsamen Konversation mit der Punkikone auch einem weiblichen Zwillingpaar galt, das plötzlich in der Hotellobby auftauchte.

Zwei Jahre später wurde Sarah geboren, Westernhagens erste Tochter, die allerdings aus seiner Beziehung zu der Schauspielerkollegin und Fotografin Polly Eltes hervorging. Polly hatte er bei den Dreharbeiten zum Film „Der Schneemann“ kennengelernt. Trotzdem heiratete er 1988 die New Yorkerin Romney Williams, mit der er nach so vielen Beziehungsturbulenzen dann tatsächlich bis 2013 zusammen blieb. Vermutlich lag es an Romney´s Job als Model, dass Marius jetzt langsam vom abgerissenen Rebell zum Anzugträger mutierte, der sich alsbald mit dem Spitznamen „Armani-Rocker“ konfrontiert sah.

Dennoch gelang dem Sänger das Comeback zu alten Erfolgen: Stetig steigerte er mit Alben wie „Halleluja“ seine Popularität, bis er 1994 „Affentheater“ veröffentlichte, von dem er annähernd zwei Millionen Exemplare verkaufen konnte.

Heute gilt das Geburtstagskind als derjenige, der nach dem Skandal um die antisemitischen Äußerungen in Songtexten von Farid Bang und Kollegah als einer der Ersten reagierte: Aus Protest gegen die Nominierung der Rapper für den Echo 2018 gab Marius Müller-Westernhagen alle sieben Echo-Trophäen, die er in seiner Karriere zusammensammeln konnte, zurück. Da ruft man sich doch gerne den Pfefferminz-Songtext noch einmal zurück: „Neger, die sind dunkel, im Dunkeln lässt sich´s Munkeln, an der Macht, da sind die Weißen, darauf reimt sich…“ Wie sich die Zeiten doch ändern!


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