Parfümkunst ebenfalls auf der Liste Blaudruck ist immaterielles Kulturerbe der Unesco

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Textilien aus einer sächsischen Blaudruckwerkstatt werden gezeigt. Foto: Oliver Killig/dpa-ZentralbildTextilien aus einer sächsischen Blaudruckwerkstatt werden gezeigt. Foto: Oliver Killig/dpa-Zentralbild

Port Louis. Blaudruck, eine auch in Deutschland verwendete jahrhundertealte Technik der Textilveredelung, ist zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt worden. Dies entschied der zuständige Ausschuss der UN-Kulturorganisation Unesco am Mittwoch bei einer Sitzung auf Mauritius. Deutschland war zusammen mit Österreich, Ungarn, Tschechien und der Slowakei an der Nominierung beteiligt.

„Der Blaudruck ist wahrlich ein verbindendes Handwerk - international wie national“, sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz und Kultusminister von Thüringen, Helmut Holter. So hätten sich nicht nur fünf Staaten für diese Nominierung zusammengeschlossen; in Deutschland seien Blaudrucker aus sechs Bundesländern daran beteiligt.

Der Blaudruck wird vor allem auf Leinen, Baumwolle oder Seide angewandt. Ein farbabweisendes Mittel wird auf den Stoff aufgetragen, so dass an diesen Stellen im Färbebad keine Farbe angenommen wird und weiße Muster entstehen. Heute gibt es der Unesco zufolge nur noch zwölf Betriebe in Deutschland und 15 in anderen europäischen Ländern, die diese Kulturform ausüben.

Die Technik spiele noch heute bei der Herstellung von Trachten eine wichtige Rolle, und auch junge Designer hätten sie für sich entdeckt, sagte Maria Böhmer, Präsidentin der deutschen Unesco-Kommission. Sie hoffe, dass durch diese Einschreibung der Blaudruck „erhalten bleibt und in der Verbindung mit neuen Techniken kreativ genutzt wird“.

Reisende der Niederländischen Ostindien-Kompanie brachten laut Unesco diese Technik zusammen mit der Indigo-Färberpflanze im 17. Jahrhundert nach Europa. Im 18. und 19. Jahrhundert war das Verfahren in Mitteleuropa demnach weit verbreitet, allerdings verlor es mit dem Aufkommen der industriellen Massenproduktion an Attraktivität.

Neben dem Blaudruck erklärte die Unesco auch Parfümkunst Parfumkunst aus Südfrankreich zum Weltkulturerbe. In einer Mitteilung erklärte die Unesco, die Parfumkunst decke drei Aspekte ab: „Die Züchtung der Duftpflanzen, das Wissen über Rohstoffe und deren Umwandlung sowie die Kunst, den Duft zusammenzusetzen.“Mit dem Label „Unesco“ könnte die jahrhundertealte Parfumwirtschaft in Grasse einen Schub bekommen. Die Stadt in der Provence erhofft sich einen besseren Schutz der Felder, auf denen Duftpflanzen wie Jasmin und Nachthyazinthen wachsen, und mehr Unterstützung für die Bauern des Sektors. Seit Jahrzehnten kämpfen diese gegen die Konkurrenz von anderen Produktionsstandorten und gegen preisgünstigere Synthetik-Parfums. In Grasse wird seit dem 16. Jahrhundert Parfum hergestellt. Zu weiteren Bewerbern auf den Titel „immaterielles Kulturerbe“ zählt auch die jamaikanische Reggae-Musik. Die Beratungen dauern bis Samstag. Die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes enthält rund 400 Titel aus Bereichen wie Tanz, Theater, Musik und Handwerk.

Nach Definition der Unesco-Konvention umfasst das immaterielle Kulturerbe umfasst „„Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten – sowie die dazu gehörigen Instrumente, Objekte, Artefakte und kulturellen Räume“, die eine Gruppe von Menschen oder gegebenenfalls auch eine Einzelperson als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen.


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