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28.11.2018, 18:38 Uhr KOMMENTAR ZUR UNESCO-ENTSCHEIDUNG

Warum nicht auch den Plausch am Zaun zum immateriellen Kulturerbe machen?

Von Markus Pöhlking


Impressionen aus der Blaufärbewerkstatt: Grundsätzlich könnte auch nachbarschaftliche Interaktion auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco. Foto: Oliver Killig/dpaImpressionen aus der Blaufärbewerkstatt: Grundsätzlich könnte auch nachbarschaftliche Interaktion auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco. Foto: Oliver Killig/dpa

Osnabrück. Grundsätzlich ist es verdienstvoll, dass die Unesco alte Kulturtechniken bewahren müsste. Leider sind die Kriterien für eine Aufnahme ins „Immaterielle Kulturerbe“ ziemlich beliebig - theoretisch könnte so ziemlich alles auf die Liste gepackt werden. Ein Kommentar

Wie wäre es, wenn der nachbarschaftliche Plausch am Gartenzaun demnächst immaterielles Kulturerbe würde? Die Kriterien der Unesco gäben das schon her und, wer weiß, vielleicht kommt es ja mal dazu.

Vorläufig aber dürfen Freunde der Blaufärbetechnik jubilieren, weil ihr Pläsier nun eine Liste erweitert, auf der bereits das Bemalen von Ochsenkarrren steht und das Teilen von Fladenbrot.

Natürlich, grundsätzlich ist es verdienstvoll, dass die Unesco alte Kulturtechniken bewahren will. Die können schließlich durchaus einen Mehrwert für die Gegenwart haben. Das weiß jeder, der schon einmal den ebenfalls gelisteten, traditionellen georgischen Amphorenwein gekostet hat.

Allein, die Verleihung des Titels „immaterielles Kulturerbe“ wirkt sehr beliebig. Und zwar schafft das Etikett Aufmerksamkeit, entwertet sich durch seine häufige Vergabe aber auch selbst. Den Gang der Geschichte kann es ohnehin nur verzögern. Was keiner mehr braucht, verschwindet. Und was gut ist, das wird sich schon erhalten.

Georgischer Amphorenwein etwa ist längst mehr als ein Geheimtipp. Er schmeckt übrigens auch am Gartenzaun ganz hervorragend.


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