Flüchtlingselend und Lebensglück Von Mumbai um die halbe Welt

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Erst Straßendieb, dann Tourist: der aus Mumbai stammende Aja. Foto: SquareOne Entertainment/dpaErst Straßendieb, dann Tourist: der aus Mumbai stammende Aja. Foto: SquareOne Entertainment/dpa

Osnabrück. In "Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte" reist ein Inder durch die halbe Welt.

Willkommen in einer globalisierten Welt! Und in Absurdistan! Schon der sich an skandinavische Bestsellern orientierende Titel  „Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte“ des französischen Autor Romain Puértolas verweist auf die internationale Vermarktbarkeit .

Und international geht es in der Handlung zu: Der Straßendieb Aja aus Mumbai (Tamil-Star Dhanush) reist als Tourist nach Paris, um sich dort in einem schwedischen Möbelhaus unsterblich in eine Amerikanerin namens Marie (Erin Moriaty) zu  verlieben. Dummerweise verschlägt ihn der Zufall, bevor er Marie wiedersehen kann, unfreiwillig in einem Schrank über London nach Barcelona. Als Flüchtling gebrandmarkt führt in das Schicksal bald jedoch ins römische Jet-Set-Leben und von da aus in ein libysches Flüchtlingslager. Aja fragt sich: Wird er Mare je wiedersehen?

Eine wichtige Erkenntnis, die der Inder Aja auf all seinen Reisen macht, ist die, dass nicht nur Pässe, Visa und Grenzen bestimmen das Schicksal eines Menschen, sondern auch das Geld, das er hat.

Das mag gewiss keine neue Erkenntnis sein, wird aber in dieser internationalen Vier-Länder-Produktion vom Kanadier Ken Scott („Starbucks“) publikumswirksam dargeboten. Allerdings auch recht klischeehaft: Paris wirkt wie eine „Amelie“-Puppenstube, Rom wie ein lichtdurchfluteter Ort der Schönheit und selbst das libysche Flüchtlingslager, sonst ein echter Ort des Grauens, wirkt fast idyllisch.

Andererseits bricht der Film auch mit gängigen Erzählformen: Etwa, wenn ein Verhör auf einer britischen Polizeiwache plötzlichin eine Musicalnummer ausartet.

Dennoch: Dieser Film ist von Anfang bis zum Ende ein naives Sozialmärchen. Und angesichts der realen Probleme wirkt das Meiste recht verlogen-kitschig.

Vergleichbar mir „Mrs. Mallory und der Duft von Curry“ (2014) bedient der Film reichlich Stereotypen und Klischees. Auch wenn diese, entgegen der oft vorgebrachten politischen Hetze, allesamt positiv besetzt sind -Klischees bleiben es leider dennoch. 


Die unglaublicheReise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte“. F/IND/USA/B 2018. R.: Ken Scott. D.: Dhanush, Bérénice Bejo , Erin Moriarty, Gérard Jugnot. 100 Minuten. FSK: ab 6.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN