Aggressiv (hier doppeltes g!) Verbreitete Schreibfehler: Die Rechtschreibung gerät in Bedrängnis

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Technisch enorm fit, aber Probleme mit der Rechtschreibung: Jugendliche mit ihren Smartphones. Foto: imago/Bo van WykTechnisch enorm fit, aber Probleme mit der Rechtschreibung: Jugendliche mit ihren Smartphones. Foto: imago/Bo van Wyk

Osnabrück. Viele Wörter im Deutschen werden notorisch falsch geschrieben. Hier ein paar weit verbreitete Schreibfehler.

Zur Ehrenrettung des Sprachgefühls von vielen Rechtschreibverunsicherten sollte gesagt werden: Die allermeisten nicht korrekt geschriebenen Wörter sind reine Fremdwörter oder eingedeutschte Fremdwörter, also Lehnwörter. Sie folgen eher selten dem erlernten Hörgefühl für deutsche Rechtschreibung. Der nicht hörbare Unterschied etwa zwischen Akustik (mit einem k) oder Akku (Akkumulator, mit zwei k)  führt also leicht aufs Glatteis. Wer ein bisschen etwas über die Wortzusammensetzung des Griechischen oder Lateinischen weiß, kann sich die Schreibweise selbst ableiten. Alle Anderen müssen sich den Unterschied schlicht einbimsen. Die Rechtschreibreform hat aber auch stark zur Verunsicherung beigetragen: Zu viele Varianten etwa in der Groß- oder Kleinschreibung eines Wortes oder einer Wendung sind erlaubt, zu wenig Gesetzmäßigkeiten lassen sich daraus ableiten. 

Zahllose Stolpersteine

Einbimsen: Das gilt für die leidige Atmosphäre ohne h nach dem t wie für den vertrackten Rhythmus mit zweimal h und erst Recht für den Algorithmus, der leider nur ein h aufweist, weil er nicht mit dem Rhythmus verwandt ist. Merken sollte man sich auch die Adresse, auch wenn sie aggressiv (hier wieder doppeltes g!)  machen kann, weil sie nur ein d braucht im Gegensatz zum Englischen "address". Wer es dann vorbeugend mal besonders gut machen will, schreibt Emphatie – und liegt gründlich daneben, weil hier nichts mit Emphase zu tun hat und das h hinter das t gehört. Diese Liste lässt sich ellenlang fortsetzen mit Dauerstolpersteinen wie dem Dilettanten, der Attrappe mit zweimal t und p oder der Parallele und der ratlosen Frage, wo nun das doppelte l zu platzieren ist: in der Mitte oder am Schluss? 

Es gibt die klassischen Hörfehler, wenn mundfaul artikuliert wird: bei Armatur wird das r nicht mitgesprochen, bei Apartheid spricht sich das d leicht wie ein t am Ende. 

Fußangeln durchs Englische

Viele Schreibfehler werden so häufig wiederholt, dass man sie für bare Münze nimmt, ohne sie durch eigenes Nachdenken zu überprüfen: "Seien Sie herzlich Willkommen", steht bei öffentlichen Veranstaltungen gern plakativ geschrieben. Willkommen muss aber in diesem Fall klein geschrieben werden, weil es hier nicht als Substantiv benutzt wird. AGBs sind auch so ein Unding, weil "Allgemeine Geschäftsbedingungen" kein Plural-s brauchen, genauso wie die  leidigen Antibiotika, die lateinisch dekliniert hier schon in der Mehrzahl sind. Wie oft hört man es falsch: "Hast Du schon ein Antibiotika bekommen?" Bei der Pluralbildung liefert auch das Englische als folgenreichster Eindringling ins Deutsche einige Fußangeln: Der Plural von Hobby lautet eben nicht Hobbies. So dürfen nur die Engländer ihre Mehrzahl bilden. Hierzulande kommt ein Plural-s ans Ende: Hobbys. 

Sprachverwirrung

Nahezu komplett wird die babylonische Sprachverwirrung, wenn etwa englische Verben aus Medien und Lifestyle deutsch konjugiert werden: Downgeloaded oder gedownloadet, gemonitored, gecastet oder abgespaced kommt dann dabei heraus. Abgesehen davon, dass bei allen Worten,die mit d enden, englisch und nicht deutsch flektiert worden ist (wenn schon, dann mit t am Ende): Muss das sein, gibt es nicht doch verständlichere deutsche Ausdrücke dafür?

Keine Frage der Schreibweise, aber auch auf dem Vormarsch ist die Unsitte, ein antialkoholisches Getränk zu bestellen: Damit verlangt man dem armen Drink zu viel aktive Gegnerschaft zum Alkohol ab. Was das Getränk  aber schafft, ist: alkoholfrei zu sein und so sollte man es bestellen. 

Ins weite Feld der Grammatik bewegen sich Gender-Endungen bei eigentlich genderlosen Anglizismen wie die Teenagerin. Falsch, die deutsche Rechtschreibung lässt solche Neuschöpfungen nicht zu. Und: Gibt es nicht fürs sich gerade einbürgernde "gendern" deutsche Ausdrücke? Gängige Grammatikfehler sollen uns allerdings demnächst einen eigenen Artikel wert sein. Denn so schnell wie sich momentan die deutsche Umgangssprache durch Einflüsse aller Art wandelt, können die Rezepte gegen Regelverstöße gar nicht gefunden werden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN