Kolumne Warum man in Indien für ein falsches Outfit Strafe zahlt

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Dicht gedrängt: Im indischen Straßenverkehr scheint es für einen Außenstehenden nur eine Regel zu geben: Der Stärkere setzt sich durch. Foto: Almut HülsmeyerDicht gedrängt: Im indischen Straßenverkehr scheint es für einen Außenstehenden nur eine Regel zu geben: Der Stärkere setzt sich durch. Foto: Almut Hülsmeyer

Osnabrück. In unserer wöchentlichen Kolumne „Silberblick" berichtet die Kulturredaktion über mehr oder weniger skurrile Beobachtungen aus dem Alltag und Kulturleben.In dieser Woche geht es um indische Straßenverkehrsregeln, die unsere Autorin verblüfften.

Zu den Dingen, die einem in Indien den Atem rauben, gehört der Straßenverkehr. Auf den Fahrbahnen drängen sich Autos, Lastwagen, Rikschas und Radfahrer. Für einen Außenstehenden scheint es nur eine Regel zu geben und die lautet: Der Stärkere setzt sich durch. Allerdings belehrte mich ein indischer Freund: Auf dem Subkontinent gebe es ebenso viele Verkehrsregeln wie in Deutschland, nur würde keiner auf die Einhaltung achten.

Von der Polizei erwischt

Doch auch indische Polizisten beschäftigen sich dann und wann mit der Überwachung des Verkehrs. So geriet ich auf der Rückfahrt von einem Ausflug mit einem Taxi in eine Kontrolle. Der Fahrer war mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen, hatte riskante Überholmanöver gewagt, mehrere Beinahe-Zusammenstöße provoziert und während der ganzen Fahrt immer wieder mit dem Handy telefoniert. Er stieg also aus, zeigte seine Papiere vor. Dann entspann sich eine lebhafte Diskussion mit den Polizisten. Schließlich kehrte er zerknirscht zum Wagen zurück und kramte aus seinen Sachen Geld hervor, das er den Polizisten in die Hand drückte. Ich war gespannt, für welches seiner Verkehrsdelikte er zur Kasse gebeten worden war und fragte nach. „Ich hatte die falsche Kleidung an“, bekam ich zur Antwort. Wie bitte? Taxifahrer hätten ein weißes Hemd und eine weiße Hose zu tragen, er aber habe ein weißes T-Shirt und eine Jeans an, erklärte er. 


Sein Malheur sprach sich schnell herum. Als ich am nächsten Morgen eine weitere Taxifahrt antrat, verließ der Fahrer, bevor wir starteten, den Wagen, zog sich aus und seine weiße Taxifahrer-Kluft an. Dann setzte er mit rasantem Tempo unangeschnallt und mit Handy am Ohr seine Fahrt fort – aber wen interessieren schon solche Petitessen außer besorgten Mitteleuropäern.


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