Von Cincittà bis Hollywood Maestro Ennio Morricone hat Geburtstag

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Osnabrück. An seinem 90. Geburstag kann Ennio Morricone auf ein gigantisches Werk als vielseitiger Musiker zurückblicken.

Einer weit verbreiteten Ansicht nach sind die besten Filmmusiken jene, die man nicht wahrnimmt. Doch es gibt Ausnahmen. Einige besonders gelungene stammen von Ennio Morricone. Denn kaum ein anderer Filmkomponist dürfte erfolgreicher - und innovativer -  sein wie der heute 90 Jahre alt werdende Römer. 

So verwendete der ehemalige Schlagerarrangeur und -komponist (etwa für Rita Pavone oder Milva) schon mal Peitschenknallen, Eulenrufe oder Schreie für seine Filmscores. Wie zu den Italowestern seines Schulfreundes Sergio Leone. Anfangs noch unter dem Pseudonym „Leo Nichols“ arbeitend, erlangte er ab 1964 mit Western wie „Für eine Handvoll Dollar“ oder „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) Weltruhm. Seit 1961 komponierte Morricone über 500 Filmmusiken, oft in Zusammenarbeit mit dem Arrangeur und Komponisten Bruno Nicolai und der Sopranistin Edda Dell‘Orso.

Doch nicht nur Italo-Western waren sein Metier. So komponierte er Soundtracks für Giallo-Thriller, etwa von Dario Argento, für Politthriller wie Elio Petris „Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhaben Bürger“ oder den Kriegsfilm „Die Schlacht von Algier“, zu Actionfilmen mit Jean-Paul Belmondo („Der Profi“), aber auch für Autorenfilmer wie Pier Paolo Pasolini („Teorema“), Bernardo Bertolucci („1900“) oder Hollywood-Produktionen wie Brian De Palmas „The Untouchales“ (1987) und Roland Joffés „The Mission“ (1986). Mit Guiseppe Tornatore verbindet er spätestens seit dessen elegischer Kino-Hommage „Cinema Paradiso“ (1988) eine enge Arbeitsbeziehung. 2007 erhielt Morricone einen Ehren-Oscar, 2016 einen zweiten Oscar für den Soundtrack zum Quentin Tarantino-Western „The Hateful Eight“.

Seine Kompositionen leben indes fort: Es gibt unzählige Remixe, Samples und Neuinterpretationen, dazu Alben mit der Fado-Sängerin Dulce Pontes oder von Klassikstar Yo-Yo Ma. Weniger bekannt, aber von Kennern geschätzt, sind Morricones Avant-Garde-Musiken.

Es gibt also gewiss noch viel zu entdecken – selbst für Morricone-Kenner. Und das nicht nur wegen des gigantischen Ausstoßes des Maestro.


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