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08.11.2018, 18:38 Uhr KOMMENTAR

Für den Documenta-Neustart braucht es einen klaren Kurs

Kommentar von Markus Pöhlking

Neustart gefragt: Die Documenta 2017 - hier im Bild das „Partheon der Bücher“ - war keine Erfolgsgeschichte.Neustart gefragt: Die Documenta 2017 - hier im Bild das „Partheon der Bücher“ - war keine Erfolgsgeschichte.

Die letzte Auflage der Documenta war nicht unbedingt ein Erfolg, die nächste immerhin könnte aber einer werden. Um Optimismus zu entfachen, sollte die neue Generaldirektorin Sabine Schormann bald einen klaren Kurs aufzeigen. Ein Kommentar.

Um die Documenta stand es zuletzt nicht all zu gut. Die hoch- und vielleicht überambitionierte Doppelausgabe in Kassel und Athen im Jahr 2017 hat ein kräftiges Defizit verursacht, dessen Höhe bislang noch nicht öffentlich bekannt ist. Zwischendurch ermittelte gar die Staatsanwaltschaft gegen die Verantwortlichen.

Und noch vor ein paar Wochen gab es zumindest mittelbar unerfreuliche Schlagzeilen, nämlich als die Stadt Kassel einen zur Documenta aufgestellten Obelisken des Künstlers Olu Oguibe gegen dessen Willen entfernen ließ.

Die Marke „Documenta“ ist insofern zuletzt etwas ins Schlingern geraten. Dennoch übernimmt Sabine Schormann sicher kein untergehendes Schiff. Die Kasseler Weltkunstausstellung hat nach wie vor Strahlkraft. Diese wieder zu stärken ist sicher eine anspruchsvolle Aufgabe – aber auch eine reizvolle, schließlich bieten Krisen die Chance, Reformen anzustoßen, alte Strukturen aufzubrechen und mit guter Arbeit zu glänzen.

Entscheidend für Schormanns Beurteilung werden die finanziellen Kennziffern der Ausstellung sein. Gelingt es ihr, die Qualität mit geringerem Mitteleinsatz hochzuhalten? Oder schafft sie es, für die in der Vergangenheit vergleichsweise gering subventionierte Documenta mehr öffentliche Gelder einzuwerben?

Bei ihrer offiziellen Vorstellung blieb sie konkrete Ideen dazu schuldig. Das muss kein Makel sein, sind doch wohlüberlegte Maßnahmen vorschnellen Verlautbarungen vorzuziehen. Andererseits werkelt Schormann schon seit einigen Monaten im Hintergrund an ihrer Aufgabe. Will sie zum Neustart Optimismus entfachen, sollte sie bald einen klaren Kurs aufzeigen.


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