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Vielpersiflierte Ööh-Töne „Tumult“ heißt das neue Album von Herbert Grönemeyer

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Herbert Grönemeyer. Foto: dpa/Jörg CarstensenHerbert Grönemeyer. Foto: dpa/Jörg Carstensen

Osnabrück. 16 neue Lieder von Herbert Grönemeyer sind auf dem Album „Tumult“ zu hören, das ab Freitag, den 9. November, im Internet verfügbar sein und in den Läden stehen wird.

Er singt vom Mob auf den Straßen und von „alten Geistern“, die bedrohlich über uns kreisen. Offenbar hat der Sänger, der bereits 1985 „Nackt im Wind“ sang, um Gelder für notleidende Afrikaner einzusammeln, sein schlechtes Gewissen nicht verloren. Herbert Grönemeyer glaubt man, dass er es ernst meint, wenn er für soziales, gesellschaftliches Engagement einsteht. Dabei ist es ihm egal, wenn ihm die Fans davonlaufen sollten, wenn er plötzlich türkisch singt. Oder wenn sie ihm untreu würden, weil er sich für die „#unteilbar“-Bewegung stark macht. Aber das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Die von ihm mitorganisierte Demonstration, die Solidarität statt Ausgrenzung forderte sowie für eine freie und offene Gesellschaft plädierte, lockte statt der erwarteten 40000 Teilnehmer eine fünfmal größere Menschenmenge auf die Straße: 240000 protestierten in Berlin. Und so darf man die Prognose wagen, dass Herbert Grönemeyer mit seinem neuen Album wieder alle Verkaufsrekorde bricht, obwohl es an vielen Ecken kritisch und politisch daherkommt.

„Tumult“ heißt das fünfzehnte Album, das der Musiker mit Schauspielerambitionen seit seinem Debut 1979 aufgenommen hat. 16 neue Lieder erwarten den Zuhörer, die musikalisch sicherlich keinen Tumult verursachen. Die Songs hören sich wie eine Mixtur aus all den Stilistiken an, die man von ihm kennt: Mal schwelgen die Keyboards, mal rockt eine E-Gitarre, mal tuckern die Beats elektronisch, mal geht die Reise in die Karibik oder nach Italien…oder halt in die Türkei. „Doppelherz / Iki Gönlüm“ heißt das klingende, zweisprachige Statement für gesellschaftliche Vielfalt und Solidarität. Es kommt von einem Menschen, der im Ruhrpott aufgewachsen ist, wo schon immer eine Mixtur der verschiedensten Menschen gut miteinander ausgekommen ist. Aber es gibt auch diese wunderschönen Melodien, mit denen Grönemeyer seine Liebeslieder verziert: „Keine umarmt wie du“ singt er und konterkariert dieses Geständnis mit seinen kehligen, vielpersiflierten Öh-Tönen.

So bereitet Grönemeyer seinen Fans mehr als das „Sekundenglück“, das er im Album-Opener besingt. Sein Lebenselixier ist die Musik, die nicht spektakulär daherkommt. Den „Tumult“ verursachen eher die Texten. „Das Leben bleibt ´ne Reise… alles ist gefährlich, Hasadeure haben gerade einen Lauf“, textet er eindeutig zweideutig. Wir sollten ihm zuhören.


Herbert Grönemeyer "Tumult" (Universal)

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