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08.11.2018, 12:36 Uhr KOMMENTAR: NOBELPREIS

Ein Bild des Jammers


Der Fotograf Jean-Claude Arnault, Mann von Akademie-Mitglied Katarina Frostenson, hatte die Krise ausgelöst. Das Paar soll die Namen von sieben Nobelpreisträgern ausgeplaudert haben. 18 Frauen hatten dem Mann im vergangenen Jahr darüber hinaus sexuelle Belästigung vorgeworfen.Der Fotograf Jean-Claude Arnault, Mann von Akademie-Mitglied Katarina Frostenson, hatte die Krise ausgelöst. Das Paar soll die Namen von sieben Nobelpreisträgern ausgeplaudert haben. 18 Frauen hatten dem Mann im vergangenen Jahr darüber hinaus sexuelle Belästigung vorgeworfen.

Stockholm. So wichtig die Aufarbeitung von Skandalen auch ist: Kann sich das Nobelpreis-Komitee nicht auf die Literatur besinnen?

Von außen betrachtet, gibt die Schwedische Akademie derzeit ein recht jammervolles Bild ab. Erst werden Korruption und sexuelle Übergriffe öffentlich bekannt. Dann zerstreiten sich die Mitglieder über den Umgang mit diesen Anschuldigungen bis zur Entscheidungsunfähigkeit des Gremiums. Und nun, nach vielen Monaten, verlässt aus immer noch denselben Gründen ein weiteres Mitglied den erlauchten Kreis. Alle Neuansätze und Verfahrensänderungen haben also nicht genug ausrichten können, um Ruhe und stabile Arbeitsfähigkeit herstellen zu können.

So wichtig die Aufarbeitung der Anschuldigungen auch ist, besonders ärgerlich für Ausstehende bleibt, dass in Stockholm offenbar noch immer nicht in erster Linie um eine adäquate Bewertung von Literatur gerungen wird. Um eine Literatur, die Schreibfähigkeit anerkennt, unabhängig von sozialen Kontexten oder Lebensstilen. Darauf warten einige Autoren von Weltklasse, die in diesem Jahr überdies eine Nullrunde beim zerstrittenen Komitee aussitzen mussten. Kann sich die Akademie nicht endlich auf ihre Sacharbeit besinnen, auch um weiteren Autoritätsverlust zu vermeiden?

c.adam@noz.de


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