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Highlight im Übersee-Museum Unter Pinguinen: Ausstellung „Antarctica“ in Bremen

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Sein Film "Die Reise der Pinguine" brachte Luc Jacquet einen Oscar ein - nun lockt er mit der großartigen Ausstellung "Antarctica" ins Bremer Übersee-Museum. Foto: Vincent MurnierSein Film "Die Reise der Pinguine" brachte Luc Jacquet einen Oscar ein - nun lockt er mit der großartigen Ausstellung "Antarctica" ins Bremer Übersee-Museum. Foto: Vincent Murnier

Bremen. Vor zwölf Jahren wurde der französische Biologe und Regisseur Luc Jacquet für „Die Reise der Pinguine“ mit einem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. Nun ermöglicht er es seinem Publikum, selbst auf eine faszinierende Reise in die Antarktis aufzubrechen - im kuschelig warmen Übersee-Museum von Bremen.

Es gibt einen runden Raum im Übersee-Museum, den man am liebsten gar nicht mehr verlassen möchte, wenn man erst mal auf dem Sitzpodest in der Mitte Platz genommen hat. Umringt von vier großen gewölbten Leinwänden sieht und hört man Kaiserpinguine durch die Kälte watscheln und hopsen, kopfüber ins Wasser springen und mit dem Kopf zuerst wieder herausschießen, auf dem Bauch übers Eis gleiten oder einfach den Philosophenblick in die fantastische Landschaft schweifen lassen. Dazu Weddell-Robben, die sich auf der Nahrungssuche ins eisige Meer stürzen.

Luc Jacquet hat nicht zu viel versprochen. „Es liegt mir am Herzen, jenen Menschen, die nicht die Chance hatten dorthin zu gehen, eine Erfahrung zu bieten, die so nah wie möglich an das herankommt, was wir erlebt haben,“ sagt der 50-jährige Franzose. Wir – das sind Luc Jacquet, der Meeresbiologe Laurent Ballesta, der preisgekrönte Tierfotograf Vincent Murnier und acht weitere Teilnehmer, die 2015 zu einer 45-tägigen Expedition ins Adélieland in der Antarktis aufbrachen.  


Wie in der Antarktis, nur nicht so kalt: Eine Besucherin in der Ausstellung "Antarctica". Foto: Joachim Schmitz


Und tatsächlich: Wer seinen Blick für einen Moment von den Leinwänden löst und den übrigen Besuchern zuwendet, sieht vor allem lächelnde Gesichter. Sich in der Antarktis unter Pinguinen zu wähnen, hat offenbar einen ganz besonderen Zauber.

Das Ziel der Expedition damals: Die Teilnehmer wollten im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Paris die Aufmerksamkeit auf diesen weitgehend ungeschützten, kältesten Kontinent der Erde lenken. Wie nötig das ist, wurde gerade erst letzte Woche wieder deutlich, als Russland, China und Norwegen auf einer internationalen Konferenz die Einrichtung eines Südpol-Schutzgebietes blockierten.  


Faszinierende Bilder von Bewohner des antarktischen Meeres bietet die Ausstellung. Foto: Joachim Schmitz


Vielleicht hätten die Konferenzteilnehmer in Bremen statt in Tasmaniens Hauptstadt Hobart tagen und zur Einstimmung die „Antarctica“ besuchen sollen. Die besteht zwar überwiegend aus einzigartigen Videos und Fotos von Pinguinen, Robben, Quallen, Fischen, Seesternen, Anemonen, vermittelt aber auch leicht verständlich oftmals unbekannte Informationen. Und wartet mit der einen oder anderen Überraschung auf.

So wie gleich im ersten Raum, in dem man sich zunächst in einer unaufgeräumten Rumpelkammer wähnt. Tatsächlich handelt es sich um einen Nachbau des Umkleideraums der Dumont d’Urville Station in Adélieland, von dem aus sich die Männer schwerbepackt zu ihren kurzen Tauchgängen aufmachten: Schutzanzüge, Kreislauftauchgerät, Tauchseil und Notfallsysteme summierten sich auf eine Gesamtlast von 90 Kilo, mit denen sie gerade mal zweieinhalb Minuten und bis zu 70 Meter tief tauchen konnten. Zum Vergleich: Pinguine schaffen Tauchgänge von 18 Minuten bis in eine Tiefe von 560 Metern, Robben sogar 80 Minuten und 600 Meter – ohne Luft zu holen.  


Ohne Schutzkleidung ins ewige Eis - das hat was. Foto: Joachim Schmitz


Vorbei an etlichen Videos, Fotos und erläuternden Tafeln gelangt der Besucher zu einer Leinwand, auf der nichts als Pinguine in Zeitlupe zu sehen sind. Mit dem Kopf voran schießen sie aus dem Wasser, drücken im Flug die Brust raus, landen wie ein Skispringer auf dem Eis, federn nach, lassen sich nach vorn fallen und gleiten auf dem Bauch weiter. Das ist faszinierend und lustig zugleich.

Und eine perfekte Einstimmung auf den runden Raum, in dem die Besucher sitzen und lächeln. Die Antarktis ist so schön, wenn man nicht frieren muss.


„Antarctica“, Übersee-Museum Bremen (gleich neben dem Hauptbahnhof), bis 28. April 2019, Di.-Fr. 9-18 Uhr, Sa. und So. 10-18 Uhr, Infos und Preise unter www.uebersee-museum.de.


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