„Spieltriebe“-Route 4: Gut Leye Mittendrin in Traum und Realität

<em>„Somnio ergo sum“.</em>
              Foto: Kruszewski„Somnio ergo sum“. Foto: Kruszewski

Osnabrück. Das Osnabrücker Theaterfestival „Spieltriebe“ spielte auch auf Gut Leye. Besonders gelungen: Das Musiktheaterstück „Somnio ergo sum“.

Total Real mittendrin sitzt das Publikum bei den Produktionen der Route Orange. Auf Gut Leye öffnet sich hinter seinem Rücken zaghaft eine Tür. Wer kommt da? Das sieht nur die Rotkreuz-Schwester (Manja Haueis), die den unsichtbaren Gast zum Eintreten auffordert. Regisseurin Constanze Burger nutzt für Rudolf Herfurtners „Mensch Karnickel“ die großzügige Raumsituation im alten Herrenhaus und lässt ihre Schauspieler von allen Seiten auf und ab gehen. In der Tür steht übrigens Clemens, gespielt vom neuen Oskar-Schauspieler Sandro Šutalo. Unterstützt von Haueis als Mutter und Alexandre Pierre als Patchwork-Bruder Timo, legt der eine großartige Leistung als kriegstraumatisiertes Kind hin. In der Pause können die Zuschauer realitätsentrückt in die grüne Landschaft schauen und sich innerlich auf das Musiktheaterprojekt „Somnio ergo sum“ (Ich träume, also bin ich) vorbereiten. Im Bus geht es zur Kaserne Eversburg, wo aber zunächst Maria Goldmann als angehende Terroristin in einem Auszug aus „Bombsong“ übers Gelände tobt und wütet. Weiter geht es in eine große Halle, wo das Publikum in allen vier Ecken Platz nimmt – und wieder mitten im Geschehen sitzt, wenn Sopranistin Pia Salome Bohnert von einer Empore hinabsteigend um sie herum auf einen in der Mitte liegenden Jüngling (Günther Grollitsch) zugeht. Wobei wandeln ihre Gangart besser beschreiben würde im einem Traum gleichenden „Somnio ergo sum“ der Regisseurin Vendula Nováková und des Komponisten Sergio Vásquez Carrillo, das auf Pedro Calderón de la Barcas Barock-Drama „Das Leben ein Traum“ beruht und sein Publikum auf angenehme Weise rätselnd zurücklässt. Ist doch die Frage hier: Schein oder nicht Schein?


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