„Spieltriebe“-Route 2: Hellmann Realitäten aus der neuen Arbeitswelt

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Osnabrück. Das Osnabrücker Theaterfestival „Spieltriebe“ entführte die Zuschauer zur Spedition Hellmann. Beeindruckend: „Die Kunden werden unruhig“.

Draußen rauschen im Affenzahn die Lastwagen der Spedition Hellmann über den Hof, drinnen, beim Live-Hörspiel „Club d’Europe“, werden Freihandelslabkommen und Investoren-Schutz als antidemokatisch gegeißelt. Realitäten verzahnen sich, drängen sich geradezu physisch auf im Hellmann-Betriebsgelände und schärfen die Wahrnehmung anders als im üblichen Theatersessel. Tempo, Beschleunigung, rabiater Kampf um die Weltmärkte: Dem hinken und greinen gute alte Werte wie Demokratie, Bürgerrechte oder das künftig „Altenheim“ Europa fast zahnlos schwerfällig hinterher, so scheint es. Diesen Eindruck verstärkt schmerzhaft Mauro de Candias neues Tanzstück „Morphings“. Ein Knäuel langsam, extrem rücksichtsvoll und organisch sich umeinander räkelnder Menschen hat es verzweifelt schwer, sich einem starren geometrischen Raster anzupassen, das sich auf dem Boden eines Treppenhauses unter ihnen ständig verschiebt oder gefährlich kippt – eine vorzügliche Gänsehautmetapher für sehr reale Vorgänge unserer (Arbeits-)Welt. Dem fügt Johannes Schrettles Coaching-Stück „Die Kunden werden unruhig“ weitere Facetten hinzu – künstlerischer Höhepunkt der Route, rasant inszeniert von Nick Hartnagel. Drei Schauspieler versuchen mit unwiderstehlichem Charisma das Beste aus einem verklemmten Bankangestellten und gleich auch dem Publikum herauszuholen. Nichts als abgefeimte Manipulation, um an Geld zu kommen. Der Turbokapitalismus übt sich im Kreidefressen, Wiedererkennen macht einen Höllenspaß! Virtuos spielen die Darsteller mit den flirrend vielen Erzählebenen des Stückes, bis sich Bühne und lärmende Lastwagen-Realität nicht mehr unterscheiden lassen.


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