Kommentar: Altstadt von Prag Zynischer Umgang mit dem Welterbe

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Die Altstadt Wiens steht schon auf der Roten Liste des gefährdeten Weltkulturerbes. Will Prag seinen Welterbestatus verlieren? Foto: dpaDie Altstadt Wiens steht schon auf der Roten Liste des gefährdeten Weltkulturerbes. Will Prag seinen Welterbestatus verlieren? Foto: dpa

Osnabrück. Es ist schwer zu begreifen, was sich da in Prag abspielt. Andere Städte wären heilfroh, wenn sie ihre Bausünden in Gestalt von monotonen Hochhausklötzen los wären – ein Kommentar.

Es ist schwer zu begreifen, was sich da in Prag abspielt. Andere Städte wären heilfroh, wenn sie ihre Bausünden in Gestalt von monotonen Hochhausklötzen los wären. Prag dagegen mit seiner traumhaft schönen Altstadtkulisse setzt sich freiwillig welche hin. Gibt es denn im 21. Jahrhundert keine anderen baulichen Lösungen für Immobilienprojekte, ohne eine Stadtsilhouette zu verschandeln?

Reichlich zynisch mutet an, dass manche Städte sich jahrelang darum bewerben, ins Weltkulturerbe aufgenommen zu werden. Sobald sie es geschafft haben, siehe Dresden oder Wien, bewilligen sie bedenkenlos Bauten, die dem Welterbe frech ins Gesicht lachen. Wie Absahnermentalität wirkt das: Vorteile und Gelder für den Status nutzen, aber keine für seine Pflege tragen wollen.

Natürlich ist Prags Altstadt ein Freilichtmuseum, kann man Prags Oberbürgermeisterin nur entgegenhalten. Diese Kulisse ist museal, einzigartig, unbedingt erhaltenswert und verträgt sogar behutsame, optisch angemessene Modernisierungen.

Wie wäre es, wenn die Immobilienhändler mit ihren modernen Hochhäusern in eine eigene Satellitenstadt zögen? Vielleicht ernten sie eines Tages dafür den Welterbestatus – wegen großer baulicher Geschlossenheit.


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