Der erste Tag Buchmesse will den „verlorenen Dialog“ wieder aufnehmen

Von dpa

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem Besuch auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: Arne DedertBundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem Besuch auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: Arne Dedert

Frankfurt/Main. Der Bundespräsident und das Enfant terrible der SPD, der Enthüllungsjournalist Wallraff und die frisch gekürte Buchpreisträgerin hatten Termine in Frankfurt. Viele treibt das gleiche Thema um, aber sie finden unterschiedliche Antworten.

Die Verteidigung von Meinungsfreiheit und Menschenrechten, Islamkritik, Medienschelte, rechte Verlage und die beste Reaktion auf Hassbotschaften - der erste Tag auf der Frankfurter Buchmesse wurde von Politik dominiert.

Das Thema kam schon am Morgen auf die Tagesordnung, als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) einen neuen zentralen Veranstaltungsraum auf dem Messegelände eröffnete.

In den Medien werde derzeit der Eindruck erweckt, als sei Deutschland schon nahezu von denen beherrscht, die die Demokratie zu Fall bringen wollten, sagte Steinmeier. Es gebe „eine Normalität, über die wir eigentlich miteinander gar nicht reden“. Das gelte für Deutschland und ganz Europa. Er forderte, den verloren gegangenen Dialog in der Gesellschaft wiederaufzunehmen. „Wir müssen die Angst verlieren vor der Kontroverse.“

Deutschlands Schriftsteller machen sich große Sorgen über die Meinungsfreiheit im Land. Drei Viertel beklagen einer Befragung zufolge die Zunahme von Bedrohungen, Einschüchterungsversuchen und hasserfüllten Reaktionen. Gut jeder Zweite hat danach auch Angriffe auf seine eigene Person erlebt - vor allem im Internet. Dies geht aus einer Befragung unter 526 Schriftstellern hervor, die PEN Deutschland und die Universität Rostock am Mittwoch vorlegten.

Der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff sprach sich dafür aus, rechter Hetze mit mehr Gelassenheit zu begegnen: „Wir sollten nicht überreagieren.“ Vor der AfD habe es die Republikaner und die NPD gegeben. „Das alles hat eine Demokratie überwunden“. Er sei zwar Berufsskeptiker, aber auch Zweckoptimist und daher überzeugt: „Wir werden die Hetze aus diesen Kreisen überwinden.“

Der umstrittene SPD-Politiker Thilo Sarrazin empfahl sich unterdessen seiner Partei als Ratgeber - obwohl diese ihn gern loswerden würde. Im Lesezelt präsentierte er sein neues Buch „Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“: „Hätte die SPD seit 2010 mehr auf mich gehört, dann gäbe es heute keine AfD im deutschen Bundestag.“

Nach den Tumulten im letzten Jahr hat die Messe die einzigen beiden rechte Verlage, die sich zur Buchmesse angemeldet haben, ins Abseits verbannt. Das mache bei Sicherheitsproblemen eine bessere Kontrolle möglich, argumentieren die Veranstalter. Es bestärkt aber die Verlage, die bisher in Frankfurt mit ihren Ständen weit besser platziert waren, in ihrer Opferhaltung. Der AfD-Bundesvorstand sprach in Berlin von einem „Akt der Zensur“.

Comedian Oliver Polak („Gegen Judenhass“) knöpfte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor: Wenn er Angela Merkel vor der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem sehe „und dann sehe, was hier in Deutschland gerade so los ist, dann habe ich echt das Gefühl, dass die deutschen Politiker besser mit toten Juden umgehen können als mit lebendigen“.

Inger-Maria Mahlke (40), Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2018, bekannte, dass sie sich lange nicht getraut habe, Autorin zu werden. Sie habe zwar immer Schriftstellerin werden wollen, sagte sie am Mittwoch auf dem Blauen Sofa der Frankfurter Buchmesse. Sie habe aber nicht gewusst, wie man das werde. „Und außerdem dachte ich, ich habe auch noch nicht genug erlebt.“


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