„Lettres d’Afrique“ in Frankfurt Buchmesse zeigt Afrikas Literaturszene im Aufbruch

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Koordiniert
              
               das Programm „Lettres d’Afrique“ auf der Frankfurter Buchmesse: Raphaël Thierry. 

            

              
                Foto: Stefan LüddemannKoordiniert das Programm „Lettres d’Afrique“ auf der Frankfurter Buchmesse: Raphaël Thierry. Foto: Stefan Lüddemann

Frankfurt. Afrikas Literatur hat längst ihre Stars. Jetzt hat sie mit dem Programmschwerpunkt Lettres d´Afrique endlich auch ihren großen Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse.

„Ich bin mit europäischen Kinderbüchern aufgewachsen, mit Geschichten von Hänsel und Gretel“, erzählt Akoss Ofori-Mensah. Inzwischen bringt die Verlegerin aus Ghana afrikanische Kinderbücher heraus. Ihr Haus, die Sub-Saharian Publishers, hat einen eigenen Stand auf der Frankfurter Buchmesse. Bereits 1980 gab es einen großen Auftritt afrikanischer Verlage auf der Frankfurter Buchmesse. In diesem Jahr wird mit „Lettres d’Afrique“ fokussiert, was immer noch der Unterstützung bedarf: die Vermittlung afrikanischer Literatur. Hier weiterlesen: Thema Menschenrechte - Frankfurter Buchmesse startet.

Raum für den Dialog

„Es gibt eine neue Generation afrikanischer Verleger, und große Festivals zur Literatur dieses Kontinents, wie zuletzt in Berlin, sorgen für Aufmerksamkeit“, sagt Raphaël Thierry, der das Buchmessenprogramm zur Literatur Afrikas koordiniert. Thierry forscht über die Literaturszene Afrikas und pendelt dafür zwischen Heidelberg, Paris und afrikanischen Städten. „Wir müssen einförmige Wahrnehmungen vermeiden und dem Dialog Raum geben“, fordert Thierry dazu auf, einen differenzierten Blick auf die Literatur des Kontinents zu werfen. Dafür bedürfe es einer neuen Offenheit.

Stars aus Afrika

Inzwischen hat die Literatur Afrikas aber auch längst ihre international gefeierten Stars. Manfred Loimeier, Mannheimer Literaturprofessor und Afrikaexperte, verweist auf den Kongolesen Alain Mabanckou, auf Fatou Diome aus dem Senegal und Abasse Ndione. Sie erzählen von Flucht und Migration, schauen damit auch vergleichend auf Kulturen. Der Westen kommt dabei nicht gut weg. „Viele afrikanische Autoren sind schockiert von der westlichen Welt, von der Brutalität des Kapitalismus und dem Fehlen von Humanität“, fasst Loimeier die Sicht vieler Autoren des Kontinents zusammen. Wie Thierry plädiert auch er dafür, der Literatur Afrikas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Hier weiterlesen: Frankfurter Buchmesse diskutiert über Freiheit.

Erbe des Kolonialismus

In Frankfurt sind nun Autoren zu Gast, die nicht nur für die Anerkennung ihrer Literatur streiten, sondern auch das schwierige Erbe des Kolonialismus ansprechen. Prinz Kum’a Ndumbe III. erinnert an die deutsche Kolonialisierung seines Heimatlandes Kamerun. Ndumbe hat Zeitzeugenberichte zu dieser tristen Periode der Geschichte herausgebracht. Dabei publizierte der Hochschullehrer, Historiker und Germanist nach Studien unter anderem in München und Berlin zunächst auf Deutsch. „Mit der Zeit habe ich die Mechanismen des Literaturbetriebes verstanden“, sagte er bei einer Diskussion auf der Buchmesse, und angefangen, selbst Bücher zu edieren.

Literarischer Reichtum

Inzwischen hätten sich die Verlagsstrukturen Afrikas besser etabliert, sagt Programmleiter Thierry. Es gehe nun darum, den enormen literarischen Reichtum des Kontinents besser zu entdecken. Thierry verwies vor allem auf die literarischen Beiträge von Autorinnen, die die Rechte von Frauen und die Frage der Freiheit vehement zu ihrem Thema machten.


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