70. Frankfurter Buchmesse startet Thema Menschenrechte: Bücher gegen Diskriminierung

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Frankfurt am Main. Komplexe Geschichten gegen rechte Vereinfacher: Die 70. Frankfurter Buchmesse startet mit einem Bekenntnis zur Freiheit der Meinung. Die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie plädiert bei der Pressekonferenz für den Mut zur Wahrheit. Ihr couragierter Auftritt macht sie schon jetzt zum Gesicht dieser Buchmesse.

Es ist die Kirche, mit der sie Erinnerungen an eine glückliche Kindheit verbindet. Jeder, der kam, war willkommen. Als sie als erwachsene Frau das Gotteshaus wieder betreten will, verstellen ihr Sittenwächter den Weg. Sie sei nicht angemessen gekleidet, zeige zu viel Arm, heißt es. „Frauen werden heute oft nicht mehr als Menschen angesehen, sondern als bloße Körper, die es zu kontrollieren gilt“, sagt Chimamanda Ngozi Adichie. Die nigerianische Bestsellerautorin, die mit ihren Romanen und Manifesten international für Debatten sorgt, setzt auch auf der Frankfurter Buchmesse ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung. Ihre Rede auf der Pressekonferenz gibt der 70. Buchmesse das Thema vor. Hier weiterlesen: Gegen den Abwärtstrend - 70. Frankfurter Buchmesse.

Würde und Freiheit

Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, nimmt Gedanken Adichies auf, als er davor warnt, Menschen nur auf einzelne Merkmale zu reduzieren. Es bestehe die Gefahr, dass über Menschen „nur noch eine einzige Geschichte“ erzählt werde. Damit aber beginne die Ausgrenzung, werde eine „Taktik angewendet, um Menschen ihre Würde und Freiheit zu nehmen“. 70 Jahre Erklärung der Menschenrechte, 70 Jahre Frankfurter Buchmesse: Riethmüller rückte das Thema der Menschenrechte für die weltweit größte Buchmesse in den Mittelpunkt des Interesses. Der Vorsteher rief dazu auf, sich aktiv für die Rechte von Menschen einzusetzen und erinnerte daran, dass die Türkei, einer der Erstunterzeichner der Erklärung der Menschenrechte, heute weltweit das Land mit den meisten inhaftierten Kultur- und Medienschaffenden sei. „Wir fordern deren umgehende Freilassung“, sagte Riethmüller und signalisierte zugleich Unterstützung für die pro-europäische Bewegung Pulse of Europe. Hier weiterlesen: Selbst politisch werden - die Buchmesse gegen Rechts.

„Hohes Erregungsniveau“

Ähnlich wie Riethmüller warnte auch Messe-Chef Juergen Boos vor einer Verrohung der Sprache und einem „permanent hohen Erregungsniveau“ der öffentlichen Debatte. Börsenverein und Buchmesse hätten deshalb mit Unterstützung der Vereinten Nationen und Amnesty International die Kampagne „On The Same Page“ gestartet. Ein Missbrauch der Buchmesse als Bühne für Menschen, die Freiheit infrage stellten, werde es nicht geben, sagte Boos und spielte damit auf die Tumulte an den Ständen rechter Verlage 2017 auf der Frankfurter Buchmesse an. Ebenso wie Chimamanda Ngozi Adichie forderte Boos eine Vielfalt der Erzählungen ein, die Menschen mit ihren Unterschieden erst sichtbar machten. Hier weiterlesen: Buchpreis geht an Inger-Maria Mahlke für „Archipel“.

Buch wichtiges Medium

Das Buch sei nach wie vor dafür das beste und wichtigste Medium, unterstrichen Boos und Riethmüller. Nach einer Untersuchung über Buchkäufer und Leseverhalten, die 2017 alarmierende Ergebnisse erbracht hatte, vermittelten die Macher der Buchmesse optimistische Botschaften. „Die Abwanderer schätzen das Buch und sehnen sich danach“, sagte Riethmüller. Jetzt gehe es darum, „das Buch wieder stärker zu den Lesern zu bringen und Orientierungspunkte anzubieten“. Dabei seien die Umsätze der Buchbranche trotz der „digitalen Revolution“ seit 2002 nur um ein Prozent zurückgegangen, betonte Riethmüller. Im letzten Jahr hatte der Buchmarkt einen Rückgang von 1,7 Prozent zu verzeichnen. Und es gibt immer weniger Menschen, die Bücher kaufen. Die 70. Frankfurter Buchmesse geht jedenfalls in die Offensive. Das neue Format „Bookfest“ trägt Literatur mit Lesungen, Talks und Poetry Slams über das Messegelände hinaus in die Stadt. An der Buchmesse nehmen 7500 Aussteller aus 110 Ländern teil.

Die Lüge eine Lüge nennen

„Dies ist eine Zeit für komplexe Geschichten“, machte auch Chimamanda Ngozi Adichie wieder Mut zum Lesen. Es sei wichtig, viele Stimmen zu Wort kommen zu lassen, sagte die nigerianische Autorin. Dabei könne allerdings nicht nur die Literatur weiterhelfen. Sie sei nicht nur Autorin, sondern auch Bürgerin und als solche der Wahrheit und der Gerechtigkeit verpflichtet. „Dies ist auch eine Zeit für Mut und dafür, eine Lüge eine Lüge zu nennen“.


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