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30.09.2018, 18:06 Uhr MEINUNG

Ans Licht geholt

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Ein transparenter Würfel für die Kunst: Das Schaudepot der Kunsthalle in Rostock. Foto: Bernd Wüstneck/dpaEin transparenter Würfel für die Kunst: Das Schaudepot der Kunsthalle in Rostock. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Osnabrück. Die Rostocker Kunsthalle holt die Kunst aus dem Depot. Das Schaulager macht sichtbar, was ansonsten unbeachtet bliebe. Das stellt gewohnte Kunsthierarchien in Frage.

Depotware: ein Wort wie ein Verdammungsurteil. Kunstwerke, die im Depot lagern, sind nicht sichtbar. Sie können nicht auf Betrachter wirken, keine Debatten auslösen, keine neue Kunst anregen. Solche Kunstwerke leben nicht. In Rostock ist das nun anders.

Das Schaudepot holt Kunst regelrecht aus dem Dunkel ins Licht. Damit verliert eine messerscharf gezogene Scheidelinie ihren Schrecken, jene Linie, die zwischen Schausammlung und Magazin so präzis verläuft, als gelte es, ein Oben und ein Unten der Kunst strikt voneinander zu trennen. Der Rostocker Neubau stellt diese Unterscheidung nachhaltig infrage. Vollkommen zu Recht übrigens. Hier weiterlesen: Schaudepot der Kunsthalle Rostock eröffnet.

Rostock ist nicht der einzige Ort, an dem ein Schaudepot installiert worden ist. Mehrere Museen haben bereits ihre Magazine geöffnet, in Basel wurde vor Jahren das Schaulager, ein Bau für zeitgenössische Kunst, eröffnet. Der Effekt ist überall gleich. Offene Depots stellen den Kanon der Kunst zur Diskussion, sie zeigen, dass jede Auswahl immer auf Entscheidungen beruht, die auch anders getroffen werden könnten. Das fordert zur Diskussion über Kunst heraus. Genau so soll es sein.


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