Neu auf Amazon Prime Anthony Hopkins als King Lear: Mehr Schröder als Trump

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Anthony Hopkins als King Lear: Für die Ko-Produktion von BBC und Amazon spielt der Oscar-Preisträger den tragischen Shakespeare-Helden. Foto: Ed Miller/Amazon PrimeAnthony Hopkins als King Lear: Für die Ko-Produktion von BBC und Amazon spielt der Oscar-Preisträger den tragischen Shakespeare-Helden. Foto: Ed Miller/Amazon Prime

Berlin. Anthony Hopkins ist King Lear: Richard Eyres Shakespeare-Film, ab sofort auf Amazon Prime zu sehen, glänzt mit Stars.

Drei Oscar-Preisträger in einem Fernsehfilm: Mit einem Star-Ensemble haben die BBC und Amazon Shakespeares "King Lear" verfilmt. Ab sofort ist Richard Eyres knapp zweistündige Kurzfassung der Tragödie auch beim deutschen Amazon Prime zu sehen. (Von "Venom" bis "Werk ohne Autor": Diese Filme werden im Oktober wichtig)

Anthony Hopkins als King Lear

Shakespeares Tragödie erzählt von einem alternden Herrscher, der sein Reich unter drei Töchtern aufteilt. Weil Cordelia, die einzige die ihn aufrichtig liebt, ihm billige Lobhudeleien versagt, verbannt er sie und schlägt ihren Erbteil den intriganten Schwestern zu: Goneril und Regan. Der Film verlegt die Geschichte in das London einer alternativen Gegenwart, in der Lear als moderner Tyrann einen militaristischen Staatsapparat regiert. 

Ein Machtmensch, der Schmeicheleien liebt: Seit der letzten US-Wahl denkt man da schnell an einen clownesken Narzissten, eine Erwartung, die Anthony Hopkins sofort widerlegt. Sein Lear ist mehr Schröder als Trump. Der 80-Jährige spielt einen betagten, aber höchst vitalen Macho-Politiker. Seine drohende Physis strahlt immer noch das Selbstbewusstsein des effektiven Strategen aus – dem nur die Klarsicht abhanden kommt. Die Skrupellosigkeit, die Arroganz, die schiere Lautstärke: Alles, was diesen Mann einmal stark gemacht hat, ist immer noch da, das aber nur noch als gespenstische Maske, hinter der infantile Impulse wüten. Eindrucksvoll.


Das Ensemble der Shakespeare-Verfilmung

Der Fernsehfilm stützt sich auf Darsteller, die jedem Kinofilm zur Ehre gereichten. Mit Hopkins, Emma Thompson und Jim Broadbent sind gleich drei Oscar-Preisträger. Mit ihrem schauspielerischen Gewicht – und schon dem bloßen Altersunterschied – betonen dabei Thompson und Emily Watson als Goneril und Regan das Machtgefälle zu jugendlichen Cordelia, die von der 22-jährigen Florence Pugh gespielt wird. Broadbent wiederum hebt als opportunistischer, leicht lenkbarer Earl of Gloucester im Kontrast die monolithische Maskulinität des Titelhelden hervor. Regie führt Richard Eyre, einst künstlerischer Leiter des Londoner National Theatre. Im Kino läuft aktuell (und ebenfalls mit Emma Thompson) seine Verfilmung von Ian McEwans "Kindeswohl". 




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