Was Sprache zur Konfliktlösung beitragen kann Verband der Frankoromanisten trifft sich an der Uni Osnabrück

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Zum Kongressauftakt wurde der Frankoromanistenverband durch Bürgermeister Burkhard Jasper im Osnabrücker Rathaus empfangen. Foto: Hermann PentermannZum Kongressauftakt wurde der Frankoromanistenverband durch Bürgermeister Burkhard Jasper im Osnabrücker Rathaus empfangen. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Wenn in der Osnabrücker Innenstadt in diesen Tagen besonders oft französisch gesprochen wird, dann hat das einen Grund: Etwa 400 Wissenschaftler aus aller Welt treffen sich derzeit an der Universität, um den Frankoromanistentag abzuhalten. Der Kongress des Verbandes der Sprach- und Literaturwissenschaftler findet alle zwei Jahre statt – in diesem Jahr in der Friedensstadt.

Passend zur Geschichte des Austragungsorts wurde auch das Motto der Tagung gewählt: "Krieg und Frieden – zur Produktivität von Krisen und Konflikten" lautet die Überschrift. Sie zieht sich durch alle Programmpunkte, erklärten die beiden Professorinnen Susanne Schlünder und Andrea Grewe, die die dreitägige Veranstaltung organisiert haben.

Hochkarätige Gastredner

So diskutierten gleich bei der Auftaktveranstaltung am Mittwochabend die beiden Historiker Nicolas Offenstadt und Arndt Winrich über die Kultur der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg – wobei der Franzose den deutschen und der Deutsche den französischen Umgang mit der Vergangenheit beleuchtete. Die Beobachtung: "Auf französischer Seite sind Frieden und Militär völlig kompatibel, während beide in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auseinanderdividiert wurden", berichtete Susanne Schlünder. 

Auf beiden Seiten beginne sich das traditionelle Verhältnis zu Krieg und Frieden aber gerade zu verändern – in Frankreich durch die jüngsten Terroranschläge, in Deutschland durch einen erstarkenden Nationalismus. Der alltägliche Sprachgebrauch trage mit dazu bei, diese Veränderungen zum Ausdruck zu bringen, erklärte Andrea Grewe. Aber auch die Literatur könne die Leser für Veränderungen sensibilisieren. 

Literatur rüttelt auf

In dem Zusammenhang verwies Grewe auf die indisch-französische Übersetzerin und Autorin Shumona Sinha, die als Gastrednerin beim Kongress dabei ist. Dem deutschen Publikum wurde sie durch die Buchmesse 2017 und die Wahl Frankreichs zum Gastland bekannt. In ihrem Buch "Erschlagt die Armen!" beschrieb sie die Missstände in den französischen Asylbehörden aus ihrer Binnensicht und löste damit einen Skandal aus. "Solche Literatur kann uns bewusst machen, welche Krisen und Konflikt ein unserer Gesellschaft herrschen, die wir sonst gerne verdrängen", sagte Andrea Grewe. 

Die Frankoromanisten selbst stehen derzeit vor dem Problem, dass immer weniger Schüler die französische Sprache erlernen und so auch das Universitätsfach auf lange Sicht in Gefahr gerät. Angesichts der zahlenmäßigen Bedeutung – immerhin sprechen weltweit rund 274 Millionen Menschen Französisch als Mutter- oder Fremdsprache – "ist die Tendenz verheerend, dass nur noch englisch gelernt wird", sagte Grewe. Sie erinnerte: "Wer eine Kultur kennen lernen will, der muss auch die Sprache lernen. Das gelingt nicht mit englischer Übersetzung." Auch dafür soll der Kongress ein Zeichen setzen.

Dialog innerhalb des Fachbereichs

Daneben dient er natürlich vor allem dem wissenschaftlichen Dialog innerhalb des Fachbereichs: Gestandene Professoren und der wissenschaftliche Nachwuchs diskutieren über aktuelle Themen, tauschen sich über Forschungsergebnisse aus und vernetzen sich untereinander, beschrieb Grewe. Auf dem Programm stehen 19 verschiedenen Sektionen, bei denen sich die Teilnehmer aus Kultur-, Literatur- und Sprachwissenschaftlicher sowie fachdidaktischer Sicht mit dem Kongressthema auseinander setzen können.

Die Ergebnisse der Vorträge und Diskussionen werden anschließend in einem Sammelband veröffentlicht. So könne der Frankoromanistenkongress der wissenschaftlichen Gesellschaft etwas Bleibendes hinterlassen, sagte Andrea Grewe. Die Veranstaltung selbst endet am Samstagnachmittag.  


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