Druckvereinigung Bentlage feiert Jubiläum Kreativer Hotspot hinter Klostermauern

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Rheine. Schlichter Name, große Wirkung: Die Druckvereinigung Bentlage bringt Künstler aus aller Welt nach Westfalen. Die Grafikwerkstatt im Kloster ist ein kreativer Solitär. Jetzt feiert der Ort Jubiläum.

Eben hat sie noch mit dem Stoffballen kreisend auf dem schimmernden Metall gerieben. Jetzt legt Anne Aspinwall die Radierplatte auf den Drucktisch, deckt behutsam Papierblatt und Filzpolster darüber. Die Handkurbel dreht sie aber nicht mehr. Diese Radierpresse arbeitet auf Knopfdruck. Dennoch entsteht hier eine Kunst wie die der alten Meister. Als Aspenwall das Papier langsam abhebt, hält sie eine künstlerische Grafik in Händen. Ein Zauberwerk aus Kunst und Handarbeit? Ein bisschen schon. „Wir erfüllen hier die grafischen Künste mit Leben“, sagt Knut Willich, der an diesem Tag zusammen mit Anne Aspinwall in der Druckwerkstatt im Kloster Bentlage in Rheine arbeitet. Vor Mauern aus groben Steinen stehen Regale und Tische, türmen sich Papiere und Tiegel. In den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden des Klosters steht vor allem aufgereiht, was bildende Künstler begeistert: Druckpressen für Radierungen, Lithografien und Siebdrucke. „Und oben haben wir noch einen großformatigen Tintenstrahldrucker für Kunst, die am Computer entsteht“, erzählt Willich. Hier weiterlesen: 120 Werke - Retrospektive für den Grafiker Rolf Escher.

Ort der Kreativität

Er steht der „Druckvereinigung Bentlage e.V.“ vor. Was nach kleinem Kulturverein klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein internationaler Hotspot der Kunst, der weithin einzigartige Möglichkeiten produktiver Arbeit bietet. Hinter den alten Klostermauern nutzen Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt die Möglichkeiten einer herausragend eingerichteten Druckwerkstatt. Die „Druckvereinigung“ feiert jetzt ihren zwanzigsten Geburtstag. Und mit ihr ein solitärer Ort der Kreativität, der Kunst und Technik zusammenführt. „Ich bin sehr angetan von der Möglichkeit, hier in der Werkstatt arbeiten zu können. Das ist für mich eine ideale Situation, die man so schnell nicht noch einmal findet“, sagt Rolf Escher. Der Zeichner und Grafiker war zum Jubiläum eingeladen, im Kloster Bentlage zu arbeiten. Von der gezeichneten Skizze vor Ort bis hin zur geduldigen Arbeit an der Radierplatte, von der das Motiv dann abgedruckt wird, führte ihn ein Arbeitsweg, der nicht nur vielfältige Produktionsschritte umfasste, sondern vor allem die Möglichkeit bot, nach der besten künstlerischen Lösung geduldig zu suchen. Hier weiterlesen: Beschädigte Archivschätze - Rolf Eschers Kölner Zeichnungen

Symposien und Workshops

So wie der in Essen und Berlin lebende und arbeitende Rolf Escher kommen immer wieder Künstler nach Rheine, um in den Werkstätten ihre künstlerischen Projekte zu verwirklichen. Die „Druckvereinigung“ lädt zu internationalen Grafiksymposien und Workshops ein, bietet Gästen als Artist in Residence eine Heimat. „Gut, dass es die Druckvereinigung gibt“, meint deshalb Jan-Christoph Tonigs, künstlerischer Leiter des Klosters Bentlage. Der Komplex beherbergt das Klostermuseum und mit der westfälischen Galerie eine Außenstelle des LWL-Museums Kunst und Kultur in Münster. Zum Programm der an ein Schloss erinnernden Anlage gehören auch Theateraufführungen und Konzerte. Hier weiterlesen: Dichterorte - Werke von Rolf Escher im Münsteraner Stadtmuseum.

Neue Konjunktur für alte Techniken

Knut Willich und Anne Aspinwall verbinden den abgeschiedenen Ort mit der großen Welt der Kunst. Willich und Aspinwall betreiben in New York eine Grafikedition, Aspenwall ist selbst künstlerisch tätig. In Rheine absolvieren sie intensive Arbeitsaufenthalte. Nach den Worten Willichs hat die grafische Kunst, zu der Könner wie Albrecht Dürer, Pablo Picasso oder Andy Warhol Kupferstiche, Radierungen oder Siebdrucke beitrugen, heute oft einen schweren Stand. Museen würden Grafik nur noch selten ausstellen. Und an Kunsthochschulen fehle es an Ausbildung in ihren Techniken. Dabei sieht Willich eine Renaissance dieser Kunst. Wie aufregend Werke der vermeintlich alten Techniken heute immer noch sein können, zeigt Rolf Escher mit Grafiken, die im Kloster zum Jubiläum entstanden. Die Darstellungen dieser Blätter spüren der Magie und Geschichte des Klosterortes nach. Gemeinsam mit Willich und Aspinwall hat Escher an den neuen Drucken gearbeitet. „So perfekt konnten sie nur an diesem besonderen Ort gelingen“, ist sich der Künstler sicher.


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