Liederabend bei Musica Viva Vater und Sohn überzeugen in Hagen mit perfekter Harmonie

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Die beiden Tenöre Julian und Christoph Prégardien (v. li.) präsentierten bei Musica Viva mit Pianist Michael Gees ihre eigenen Interpretationen vom "Erlkönig" oder dem "Ännchen von Tharau". Foto: Michael GründelDie beiden Tenöre Julian und Christoph Prégardien (v. li.) präsentierten bei Musica Viva mit Pianist Michael Gees ihre eigenen Interpretationen vom "Erlkönig" oder dem "Ännchen von Tharau". Foto: Michael Gründel

Hagen. Ein Liederabend der besonderen Art versprach das Konzert in der Ehemaligen Kirche in Hagen. Schließlich trat mit Julian und Christoph Prégardien ein hochkarätiges Vater- Sohn-Gespann auf.

Voller Sehnsucht, Leidenschaft und Tatendrang erfüllt Julian Prégardien mit seiner hellen, warmen Stimme in Schuberts "Licht und Liebe" die Ehemalige Kirche in Hagen beim vierten Konzert der Musica Viva. Christoph Prégardien übernimmt sogleich und verstärkt damit den Wechsel des Hoffnungsvollen zur Schwermut. Im Duett verweben sich die beiden wunderschönen Stimmen im Frage-Antwort-Spiel.

Als gleichberechtigte Partner erwecken Sohn und Vater das Gefühl des Sturm und Drangs in den Vertonungen von Brahms, Silcher oder Beethoven  und verstehen ihre Stimme perfekt einzusetzen. Mal sanftmütig, mal inbrünstig – der leichte Nachhall der Ehemaligen Kirche bietet die ideale Klangkulisse.   

Im braven Duett präsentieren Vater und Sohn Prégardien das „Ännchen von Tharau“ in perfekter Harmonie. Es ist Michael Gees am Flügel, der das traute Duett auflockert, mit leichtem Spiel und Fokus auf den Dreiviertel-Takt. Es ist ein Augenzwinkern auf die traditionelle, kunstvolle Darbietung.

Gees ist seit Jahrzehnten der Partner von Christoph Prégardien, einer der bedeutendsten lyrischen Tenören. Sohn Julian schickt sich an, dem Beispiel zu folgen – mit großem Erfolg. Der Spaß an der Musik und den romantischen Texten liegt wohl in der Familie. Die Darbietung der Kunstlieder ist natürlich und voller Empathie.

Terzett aus zwei Tenören und einem Pianisten

Es erklingt ein Terzett aus Julian und Christoph Prégardien und Michael Gees, der am Klavier die Stimmung aufgreift. Gees setzt die Begleitung mal aus, um die hohen, hellen Haltetöne von Julian Prégardien noch stärker wirken zu lassen, bei „Auf dem Wasser zu singen“ sind Gees‘ feine Läufe die Wellen, auf denen Vater und Sohn als Kahn gleiten.

Bei Schuberts „Erlkönig“ pirscht Gees mit starker Fingerarbeit los, den Text teilen sich Christoph und Julian Prégardien – als Vater und Sohn natürlich. Das dramatische Spiel wird unterbrochen vom lieblichen Duett als böser Erlkönig. Das Publikum reagiert mit Zwischenapplaus.

Es sind Momente wie diese, die beweisen, welches Potenzial in dieser Dreierkonstellation steckt. Die Interpretation als Erzählende in traditioneller Vortragsform ist zweifels ohne tadellos. Doch Beethovens "Der Kuß" beweist, dass die Gefühle noch stärker transportiert werden können, ein engerer Kontakt zum Publikum geknüpft werden kann.

Kleines Schauspiel ergreift das Publikum

Da lacht das Publikum und spendet am Ende Applaus, wenn Julian Prégardien opernhaft von seiner Besuch bei Chloe berichtet und kurz vor Schluss der Vater sich zu Wort meldet.

Den Applaus hebt sich das Publikum vornehmlich auf, um sich dann vor der Pause und am Ende kräftig für einen gelungenen Abend zu bedanken. Christoph Prégardien wird auch weiterhin in Hagen ein gern gesehener Gast sein. Drei Zugaben gibt es noch, darunter eine äußerst liebevolle Version von "Weißt du, wie viel Sternlein stehen."


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