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Couragierte Soul-Schwester

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Schau mir in die Augen, Kleines: Obwohl erst 19 Jahre alt, wirkt Stefanie Heinzmann auf der Bühne couragiert und unbefangen. Foto: Elvira PartonSchau mir in die Augen, Kleines: Obwohl erst 19 Jahre alt, wirkt Stefanie Heinzmann auf der Bühne couragiert und unbefangen. Foto: Elvira Parton

Die drei Wochen Zwangspause wegen Stimmbandentzündung müssen Stefanie Heinzmann schwergefallen sein. Wieder genesen und voller Energie setzte die kleine Soullady aus der Schweiz im Osnabrücker Rosenhof ihre Deutschlandtour fort. Und schonte sich dabei nicht.

Beeindruckend, wie die erst 19-Jährige locker ein Zwei-Stunden-Programm stemmt, das ihr stimmlich alles abverlangt. Stellenweise fehlen denn auch noch kraftvoll zupackende Funkkreischer, reich verzierte Soulkiekser und ausdrucksvolle Relax-Noten. Doch das scheint niemanden im Saal zu kümmern – am allerwenigsten die Sängerin selbst. Couragiert, unbefangen und mit einer gesunden Portion Selbstironie stürmt Stefanie Heinzmann auf die Bühne und bringt Fans wie Neugierige sofort in Stimmung.

Selbst so eine No-go-Begrüßung wie „Seid ihr alle da? Ich freue mich riesig, ich hoffe, ihr könnt es genießen“ wirkt bei dem pausbäckigen, höchstens 1,60 Meter großen Mädchen nicht peinlich unprofessionell, sondern irgendwie angenehm, authentisch, süß. Dazu passt ihr untrendiges Outfit: Hornbrille, Mundpiercing, Oberarm-Tattoos, Nietengürtel und Streifenhose auf halb acht.

„Tu dein Ding“ nennt die diesjährige Gewinnerin der Stefan-Raab-Castingshow ihren Lieblingssong „Do Your Thing“, den sie nach der fulminanten Eröffnung ihres Konzertes mit „Masterplan“ und „Don’t Call This Love“ näher definiert: „Immer schön aufs Herz hören, auch wenn es mal die falsche Entscheidung sein sollte.“

Das Herz und ihr Manager-Bruder Claudio müssen ihr wohl auch geflüstert haben, gleich sieben Coversongs ins Programm zu nehmen. Norah Jones’ Hit „Sunrise“ und KT Tunstalls „Black Horse and the Cherry Tree“ wirken im Lagerfeuer-Akustikintermezzo sympathisch locker, wenn auch nicht gerade sehr interpretativ. Eher überflüssig, weil an eine Top-40-Band erinnernd, kommen Stevie Wonders „Superstition“ und Jamiroquais „Cosmic Girl“ daher. Hier wäre weniger mehr, zumal mit Joss Stone, Tower of Power und dem aktuellen Metallica-Hit „Unforgiven“ die Cover-Quote bereits ausreichend abgedeckt ist.

Stefanie Heinzmann singt sich tapfer durch – aufgefangen vom musikalischen Sicherheitsnetz, das ihr die für die Tour zusammengestellte Band „The Funky Funks“ ausbreitet. Zwar ohne Bläser, dafür aber mit drei Background-Sängerinnen, virtuosem Perkussionisten, solidem Gitarristen, Bassisten, Schlagzeuger sowie Keyboarder groovt und rockt die Kapelle, bis auch der letzte Fuß im Saal mitwippt. Stefanie ist und bleibt aber die zentrale Figur auf der Bühne. Und sie hat genug Luft für ein starkes Finale mit „Like a Bullet“, „If I Don’t Love You Now“ und dem Hit ihres Duchbruchs, „My Man Is a Mean Man“.

Zwischendurch macht das Publikum Bekanntschaft mit Claudio, den die Schwester bei seiner emotionalen Ballade „Xtal“ begleitet. „Painfully Easy“, „Revolution“ und „So Much Oil in the Ground“ (Power of Tower) runden als packende Funk-Zugaben schließlich einen kurzweiligen Abend ab, an dem einer nicht fehlten durfte: Plüschtier-Esel Emil.


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