Neu im Kino "Styx" im Kino: Segelyacht trifft Flüchtlingsboot

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Allein in der Flüchtlingskrise: Susanne Wolff in Wolfgang Fischers "Styx". Foto: ZorrofilmAllein in der Flüchtlingskrise: Susanne Wolff in Wolfgang Fischers "Styx". Foto: Zorrofilm

Berlin. Eine Deutsche segelt mitten in die Flüchtlingskrise: Wolfgang Fischers Berlinale-Film "Styx" läuft jetzt im Kino.

Segelyacht trifft Schlepperboot: Wolfgang Fischers "Styx" macht die Flüchtlingskrise zum Kammerspiel auf dem Meer. Ab sofort läuft der Berlinale-Film mit Susanne Wolff im regulären Kinoprogramm.



Bewährungsprobe vor Gibraltar

Am Anfang klettern Berberaffen über Gibraltars Felsen und betrachten den Hafen – als würden sie sich fragen, wie die Menschheit sich gerade so schlägt. Der Ort ist dafür gut gewählt: Auf dem Meer, an der Grenze von Afrika und Europa, muss unsere Spezies sich ja wirklich gerade bewähren. Wolfgang Fischers „Styx“ spielt die Frage nach der Verantwortung des Westens für die armen Regionen der Welt nun im Kleinen durch, anhand der Begegnung einer Frau aus Deutschland mit einem Bootsflüchtling.  (Von Schweiger bis Herbig: Die Filmstarts im September)

Wovon erzählt "Styx"?

Für die Notärztin Rike ist Gibraltar zuerst einmal Startpunkt einer Einhandsegeltour. Nach mehreren Tagen auf hoher See gerät sie in ein Unwetter; ein nahes Frachtschiff hatte sie vorgewarnt und für den Fall der Fälle Hilfe angeboten. Worauf Rike nicht vorbereitet ist: Als der Himmel aufklart, liegt vor ihr ein havariertes Boot, das mit Dutzenden Flüchtlingen heillos überladen ist. Einer davon schafft es auf ihre Jacht: Kingsley (Gedion Oduor Wekesa), ein dehydrierter und verletzter Jugendlicher. Rike fordert Hilfe an – und muss quälend lang darauf warten. Die Solidarität, die man ihr im Sturm noch gezeigt hatte, gilt nur für Menschen aus Europa. ("Leave No Trace" – starker Indie-Film von Debra Granik)

"Styx" und "All Is Lost": Maritime Großmetaphern

Vor vier Jahren erst drehte J. C. Chandor ein vergleichbares Kammerspiel auf dem Meer: In „All Is Lost“ (2014) kämpfte Robert Redford auf einer fahruntüchtigen Jacht ums Überleben – und machte den Film zur existenziellen Parabel auf das Menschendasein in einem sinnverweigernden Kosmos. Auch Fischers „Styx“ funktioniert als Großmetapher, hier aber gerät mit der Flüchtlingskrise ein politisches Thema ins Zentrum. Rike steht dabei stellvertretend für ein Europa, das weiß, dass es helfen muss – und trotzdem beim Sterben zusieht.

Ringen um Antworten

Susanne Wolff führt ihre Figur dabei aus der Souveränität einer professionellen Lebensretterin ins Dilemma: Rikes bloßen Auftauchen löst Unruhe auf dem Flüchtlingsschiff aus und droht es zum Kentern zu bringen. Und auch sich selbst muss sie schützen – weil ihre Elf-Meter-Jacht für die Dutzenden Hilfsbedürftigen zu klein ist. So bleibt Rike gegen die Anordnung der Küstenwache auf Sicht, gerade weit genug entfernt, um nicht mehr erreichbar zu sein – und fordert immer wütender Hilfe ein. In der unmittelbaren Begegnung mit Kingsley, der am Horizont seine sterbenden Verwandten weiß, ringt sie um Antworten – die wir „Tagesschau“-Beobachter nur für uns selbst finden müssen.

„Styx“. A/D 2017. R: Wolfgang Fischer. D: Susanne Wolff, Gedion Oduor Wekesa. 95 Minuten, ab 12 Jahren.


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