Kommentar: Gastspiel in China Nischen der Freiheit

Von Christine Adam, 12.09.2018, 17:22 Uhr
Der künstlerische Leiter der Berliner Schaubühne, Thomas Ostermeier. Foto: dpa

Osnabrück. Schade, dass zwei Vorführungen in Nanjing abgesetzt wurden. Eigentlich spricht es für gewisse, kleine Nischen von Meinungsfreiheit in China, dass Theater solche scharf gesellschaftskritischen Stücke überhaupt zeigen können – ein Kommentar.

Erstaunlich, dass die chinesischen Zensoren dieses explosive Gastspiel der Berliner Schaubühne überhaupt zugelassen haben. Zumal Thomas Ostermeier s Inszenierung bereits sechs Jahre alt ist. Wussten die Chinesen wirklich nicht, dass Henrik Ibsens Drama „Ein Volksfeind“ von einem Umweltskandal, von Korruption und Repression durch die Machthaber einer Kleinstadt handelt? Vielleicht hatten die Zensoren aber nicht damit gerechnet, dass der Berliner Import derartig heftige Publikumsdiskussionen über Repressionen und Umweltskandale in China auslösen würde.

Missverstehen kann man das Stück eigentlich nicht. Der Badearzt Dr. Stockmann will seiner Heimatstadt auf die Beine helfen und sie zum Kurort machen. Doch dann entdeckt er giftiges statt heilendes Wasser und will das publik machen. Das weiß die Obrigkeit einschließlich Presse zu verhindern. Der frühere Gutmensch fürs Gemeinwesen wird als „Volksfeind“ abgestempelt.

Schade, dass zwei Vorführungen in Nanjing abgesetzt wurden. Eigentlich spricht es für gewisse, kleine Nischen von Meinungsfreiheit in China, dass Theater solche scharf gesellschaftskritischen Stücke überhaupt zeigen können. Aber eine zu laute Revolte auslösen darf ihre kritische Botschaft wohl nicht.

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