Kommentar: Insolvenz Stroemfeld Noch ein verblasster Mythos

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Der Schriftsteller Klaus Theweleit. Foto: dpaDer Schriftsteller Klaus Theweleit. Foto: dpa

Osnabrück. Noch ein Mythos, der verblasst: Der Stroemfeld-Verlag stand für ein Stück bundesrepublikanischer Geschichte, die nun endgültig passé zu sein scheint – ein Kommentar.

Anfangs, seit den 70er-Jahren, verlegte der Frankfurter Verlag Texte zu 68-Revolte, Klassenkampf oder Psychoanalyse. Seine Werke gehörten nicht selten ungelesen in die Weinkisten-Regale der Wohngemeinschaften. Mit ihnen konnten sich 68-bewegte Studierende als radikaler ausgeben, als sie es in der Masse je waren. Dass ein Autor wie Klaus Theweleit mit seiner Dissertation „Männerphantasien“ im Lehrbetrieb der Uni Freiburg auf Granit stieß, im Verlag Roter Stern, später Stroemfeld-Verlag, aber zum Bestsellerautor aufstieg, galt damals als cool.

Danach wurden die kritischen Klassiker-Editionen „KD“ Wolffs für Hermeneutiker und Bibliophile interessant. Doch war schon damals der Kreis jener begrenzt, die sich mit Schreibprozessen von Dichtern oder mit Editionsgeschichte befassten, so dürfte er in Zeiten rückläufigen Lesens noch weiter geschrumpft sein. Das ausbleibende Anschaffungsinteresse von Uni- und anderen Bibliotheken ist sicher ein Indiz dafür. Auch deshalb stimmt die Insolvenz des Stroemfeld-Verlages traurig.


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