Jeder Song eine Weltumarmung Viel politische Symbolik und schöne Melodien beim U2-Konzert in Köln

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Bono, der Sänger der irischen Rockband U2, liebt bei seiner Deutschlandtour "Experience+Innocence" die große Geste. Foto: Paul Zinken/dpaBono, der Sänger der irischen Rockband U2, liebt bei seiner Deutschlandtour "Experience+Innocence" die große Geste. Foto: Paul Zinken/dpa

Köln. Mit großen Gesten, schönen Melodien und grandioser Bühnentechnik begeisterte die irische Band U2 in Köln. Zuvor hatte Bono ein Konzert abbrechen müssen, weil ihm die Stimme fehlte. Nun blitzgenesen gab der Sänger auch wieder reichlich politische Botschaften kund.

Bonos Stimme hielt in Köln, nachdem er zuvor ein Konzert in Berlin abbrechen musste. Der Sänger der irischen Band U2 sang in der Kölner Lanxess-Arena laut und kraftvoll die massentauglichen Melodien, für die U2 geliebt werden. Beim fünften Song „Beautiful Day“ sprangen die 19 000 Zuschauer von ihren Plätzen auf, auch glücklich darüber, dass sich Bono wacker schlägt. 

Aus jeder Lebenskrise hat Bono bekanntlich ein herzzerreißendes Lied oder Album gemacht. Foto: Claudia Scholz

Für die große Geste ist Bono bekannt; mit jedem Lied scheint er die ganze Welt umarmen zu wollen. Aber auch seine politischen Ansichten gibt der Sänger bei der Deutschlandtour reichlich kund. Symbolstark sind die Auftritte wie zuvor schon in Berlin, mit grandioser Bühnentechnik inszeniert. 

Symbolstarker Auftritt


Zum Eröffnungssong „The Blackout“ laufen Bilder von Charlie Chaplins „Großem Diktator“ über die digitale Leinwand, Aufnahmen vom zerstörten Deutschland nach dem Krieg werden eingeblendet, unterbrochen von Neonazi-Aufmärschen. „Nie wieder Chemnitz“ ruft Bono nach „Pride – In The Name of Love“. Auch die Iren haben die Gewaltausbrüche in der sächsischen Stadt verfolgt. Der Hashtag „#wirsindmehr“ erscheint auf dem schwebenden Bildschirm. Zum Song „Summer of Love“ wird ein einsames Flüchtlingsboot auf dem Meer neben einem Kreuzfahrtschiff gezeigt. 

Die Band als Comic: U2 lieben die Fans für ihre Hymnen und großen Gesten. Foto: Claudia Scholz

Von Flüchtlingen bis Gender kein Thema ausgelassen

Von Flüchtlingen über Feminismus bis Gender wird kein Thema ausgelassen, das die derzeitigen Debatten des politischen Mainstreams bestimmt. Am Ende gibt es auch noch ein klares Votum für die EU nach dem Brexit: Zu „Get Out Of Your Own Way“, einem der neuen Songs vom letzten Album „Songs of Experience“, wird eine gigantische Europafahne hinter der Band gehisst. Bono stimmt im Anschluss „Freude schöner Götterfunken“ an.

Stadionband: U2 begeisterten in der Kölner Lanxess-Arena mit einer riesigen digitalen Leinwand und ausgefeilter Bühnentechnik. Foto: Claudia Scholz

Bono huldigt aber auch der Vergangenheit und der Familie: Wenn Schwarz-Weiß-Aufnahmen seiner früh verstorbenen Mutter „Iris“ (vom Album „Songs of Innocence“) erscheinen und er ihr hinterherläuft und sie zu greifen versucht. Oder wenn er durch Dublins „Cedarwood-Road“ spaziert. 2018 feiern U2 ihren 40. Namenstag. 1976 als „Feedback“ gegründet, tauften sie sich zwei Jahre später in „U2“ um. 

Weltverbesserer mit angekratztem Image

Aus jeder Lebenskrise hat Bono bekanntlich ein herzzerreißendes Lied oder Album gemacht. In dem Song One verarbeitete er beispielsweise den Tod seines Vaters. Dass er heute politische Botschaften darüber legt, mag für manchen langjährigen Fan nicht mehr richtig authentisch sein. Auch hat das Image von Bono, der sich gern als Vorbild und Weltverbesserer inszeniert, zuletzt dadurch gelitten, dass er von den unter Multimillionären derzeit so beliebten Steuersparmöglichkeiten auf Inseln wie Malta und Guernsey Gebrauch machte. 

Egal, was man von seinen Weltverbesserungsattitüden halten mag, man nimmt Bono durchaus ab, dass er sich nicht aus Marketinggründen so darstellt. Er engagiert sich, weil er Visionen von einer besseren Welt hat. Manchmal nervt es allerdings.

Von „The Joshua Tree“, dem Meilenstein-Album von 1987, wird zwar nicht mal ein einziger Song gespielt. Dennoch wird der Auftritt dank ausgefeilter Show und großen Gesten in Erinnerung bleiben.

Am 3.10. spielen U2 in der Barclaycard Arena Hamburg


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