Ein Bild von Joachim Schmitz
08.09.2018, 06:21 Uhr KOLUMNE

Der erste Adventskalender des Jahres: Muffig im Abgang

Von Joachim Schmitz

Der erste Adventskalender des Jahres entpuppte sich als ein fast vier Jahre altes Exemplar - entsprechend schmeckte er auch. Foto: Joachim SchmitzDer erste Adventskalender des Jahres entpuppte sich als ein fast vier Jahre altes Exemplar - entsprechend schmeckte er auch. Foto: Joachim Schmitz

In unserer wöchentlichen Kolumne „Silberblick“ berichtet die Kulturredaktion über mehr oder weniger skurrile Beobachtungen aus Alltag und dem Kulturleben. In dieser Woche geht es um den ersten Adventskalender des Jahres, der sich als ganz besondere Art von Fake entpuppte.

Alle Jahre wieder kommen im aufziehenden Herbst die Klagen darüber, dass der Einzelhandel mal wieder viel zu früh seine Regale mit Spekulatius, Marzipankartoffeln, Adventskalendern und sonstigem weihnachtlichen Gedöns befüllt. In diesem Jahr möchte ich endlich mal der Erste sein, der jammert.

Also: Es ist der 2. September 2018. Der zweite Tag des meteorologischen Herbstes, fast drei Wochen vor Ende des kalendarischen Sommers. Das Thermometer zeigt draußen unter strahlendem Sonnenschein 23 Grad im Schatten. Tief in Gedanken, ob ich mit Wasser ober doch lieber einem Kaffee an den Schreibtisch zurückkehren möchte, betrete ich die Redaktionsküche, als es mich durchfährt wie ein Blitz aus dem an diesem Sonntag doch so heiteren Himmel. Auf der Anrichte liegt – ein Schoko-Adventskalender. Nicht mal mehr unberührt.

Doppelt jammern

Ich werfe einen vorsichtigen Blick über die Schulter, ob niemand schaut, und – schwupps – ist der 12. Dezember, mein Geburtstagsstückchen, in meinem gefräßigen Rachen verschwunden. Doch – Weinkenner würden es wohl so formulieren – dieses Stückchen ist im Abgang ausgesprochen muffig. Ein Kalender vom Vorjahr? Eingeschmolzener Osterhase? Nein, es kommt viel schlimmer: Eine Kollegin eröffnet mir, dass in den letzten Tagen die Schreibtische ausgemistet wurden und sie sich vor der Anrichte nicht endgültig von ihrem Adventskalender trennen konnte, den ihr die Geschäftsführung 2014 zum Geschenk gemacht hatte.

Jetzt hab ich meinen Grund zum Jammern. Und zwar doppelt. Aber immerhin: Erster!!!

Lesen Sie auch: Brötchen gegen Bargeld? Nicht in den Niederlanden

„Bella ciao“ - Tanz den Partisanen


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN