Heimkino-Tipp: "Hagazussa" Horror in den Alpen: Wahnsinn oder Hexerei?

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Horror in den Alpen: Aleksandra Cwen als vermeintliche Hexe AlbrunHorror in den Alpen: Aleksandra Cwen als vermeintliche Hexe Albrun

Osnabrück. "Hagazussa", der Debütspielfilm von Lukas Feigelfeld, ist eine hervorragende Visitenkarte für eine spätere Regiekarriere

Irgendwann im Mittelalter. Die Zeiten sind hart. Auch für die junge Albrun und ihre Mutter., die auf einer Alm in den Alpen, fernab von der Dorfgemeinschaft, leben. Was offenbar schon genügt, die beiden der Hexerei zu verdächtigen. Als dann die Mutter an der Beulenpest stirbt, bleibt das Mädchen allein zurück. Jahre später wiederholt sich die Situation: Nun ist es Albrun, die Mutter einer kleinen Tochter ist. Und auch sie leben allein. Als sie jedoch von einer vermeintlichen Freundin betrogen wird, nimmt das Unglück seinen Lauf.

Welche Beschreibung könnte einem Film wie „Hagazussa“ gerecht werden? Ist es ein Horror-Poem? Ein visuelles Schauermärchen? Das Psychogramm weiblicher Ängste? Ganz klar: All diese Beschreibungen kommen „Hagazussa“ nahe, und doch läßt sich das Spielfilmdebüt des 31-jährigen Österreichers Lukas Feigelfeld nicht einfach einordnen.

Zusammen mit seiner Kamerafrau Mariel Baqueiro schuf der Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin DFFB, die auch co-produzierte, einen einzigartigen Film. Ein Kaleidoskop albtraumhafter Bilder, in denen die Natur wie ein Feind des Menschen wirkt, eine Collage aus verstörenden Tönen und einem beängstigenden Soundtrack des griechischen Trios MMMD.

Etwas offengelassen wird indes die Frage, ob es sich um Albrun (fantastisch: Aleksandra Cwen) tatsächlich um eine Besessene handelt. Der Untertitel „Der Hexenfluch“ deutet es zumindest an. Doch genauso könnte es sich um die Darstellung einer Psychose handeln. Parallelen zu Roman Polanskis Frühwerk „Ekel“ (1965) lassen sich da nicht von der Hand weisen. Und doch ist „Hagazussa“ einzigartig – stilistisch wie inhaltlich - als Genrefilm, der in keine Schublade passt. Insofern ist der Film nicht immer leicht zugänglich, auch weil er sich gewohnten Erzählmustern entzieht. Dafür wirkt das Werk in seiner subtilen Konstruktion aber letztlich umso intensiver.

Auf diversen Festivals, etwa in Saarbrücken, als Tipp gehandelt, lief der Film leider dann doch fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit in wenigen Kinos. Nun bietet die Heimkinoveröffentlichung die Gelegenheit, Versäumtes nachzuholen und einen der erstaunlichsten deutschsprachigen Filme der letzten Zeit zu begutachten.


„Hagazussa“. Indeed Film. FSK: ab 16. Erhältlich als Einzel-Blu-Ray, Doppel-DVD oder -Blu-Ray mit diversen Extras, darunter einem Audiokommentar des Regisseurs, ein Booklet von Marcus Stiglegger und Kurzfilmen.

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