Musikalische Kulinarik mit Marc Minkowski Musikfest Bremen begeistert mit „Hoffmanns Erzählungen“

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Vorzügliches Ensemble: Aude Extrémo, Leonardo Capalbo, Jessica Pratt und Robert Gleadow (von links) präsentieren mit Dirigent Marc Minkowski und Les Musiciens du Louvre einen wunderbaren Opernabend mit „Hoffmanns Erzählungen“. Foto: Nikolai Wolff/FotoetageVorzügliches Ensemble: Aude Extrémo, Leonardo Capalbo, Jessica Pratt und Robert Gleadow (von links) präsentieren mit Dirigent Marc Minkowski und Les Musiciens du Louvre einen wunderbaren Opernabend mit „Hoffmanns Erzählungen“. Foto: Nikolai Wolff/Fotoetage

Bremen. Hoffmanns Erzählungen als konzertante Aufführung hat das Musikfest Bremen an diesem Samstag angeboten. Es war ein exquisites Erlebnis.

Wenn man so will, ist die konzertante Aufführung die seltsamste Ausprägung der ohnehin schon seltsamen Kunstgattung Oper: Sie ist ihres wesentlichen Elements, eben der Bühnenhandlung, beraubt. Andererseits entspricht das den Gewohnheiten vieler Musikfreunde, die Opern daheim vor dem Lautsprecher erleben. Außerdem weiß man ja, wie manche Regie-Berserker auf manches Werk einschlagen, bis nur noch ein qualmendes Häuflein Elend übrig bleibt. Da kommt die konzertante Aufführung zu ihrem Recht, weil sie die maximale Fokussierung auf die Musik erlaubt.

Genuss ohne Deutungsanspruch

Was für ein exquisiter Genuss das sein kann, hat das Musikfest Bremen am Samstag in der Glocke vorgeführt. Auf dem Programm: Jacques Offenbachs Oper „Les Contes d’Hoffmann“. Der Anspruch des Intendanten: ein Fest der Musik, ohne regietheatralischen Deutungsanspruch. Die Zutaten: tolles Stück, tolles Orchester, tolle Sänger. Und weil Intendant Thomas Albert seine Leute kennt, geht die Rechnung wunderbar auf.

Marc Minkowski und sein Alte-Musik-Orchester „Les Musiciens du Louvre“ gewährleisten schon mal einen wunderbaren Orchesterklang: Warm und füllig klingen die Streicher, die Holzbläser, allen voran die Klarinetten, sind eine Wucht, weil sie zu Tränen rühren, wenn sie eine von Hoffmanns Liebesarien nachschwingen lassen. So ausgestattet, entfaltet Minkowski die Partitur: Er lässt sein Orchester phrasieren, als würde ein versierter Rhetoriker einen perfekten Vortrag gestalten, das Orchester streichelt die Seele mit Offenbachs bezaubernden Melodien, es führt vor Ohren, wie es in den Seelen wütet und tobt, und es lässt natürlich auch den ein oder anderen Korken knallen und den Humor sprudeln wie ein wohlgekühltes Fläschchen Champagner. Ja, allein diesem Orchester zuzuhören, und das noch in diesem Raum, ist eine Wonne.

Bis in die Nebenrollen toll besetzt

Dazu kommt ein wunderbares, bis in die Nebenrollen toll besetztes Gesangsensemble. Da ist Leonardo Capalbo, schon optisch ein Latin Lover wie aus dem Katalog, der virile Kraft mit Sentiment verbindet und die große Partie mit großer Selbstverständlichkeit und noch größerem Einfühlungsvermögen in die Psyche Hoffmanns gestaltet. Jessica Pratt bezaubert gleichermaßen als Koloraturmaschine Olympia, als rührende Antonia, als verführerische Giulietta und schließlich als Stella – es ist ja zur Regel geworden, dass eine Sängerin alle Frauenrollen in Hoffmanns Leben singt. Nicht immer ist das von Erfolg gekrönt, da sich die Stimmcharaktere doch sehr unterscheiden. Die gebürtige Australierin Pratt aber ist in allen Stimmfächern gleichermaßen zuhause, und so werden die vier Damen zu vier Charakterstudien in Sachen Unmöglichkeit der Liebe.

Hoffmanns Gefährtin auf seinen Liebes-Episoden ist in der Glocke Aude Extrémo: Sie singt die Muse, begleitet Hoffmann als Niklausse und besticht vor allem durch die klaren und kräftigen Konturen ihres Mezzo. Und schließlich ist da, neben einer ganzen Reihe vorzüglicher weiterer Solisten, Robert Gleadow als Hoffmanns Gegenspieler: Er schmeichelt und wütet, verführt und tobt mit einem Bass voller dunkler, diabolischer Schärfe. Der Philharmonia Chor Wien (Einstudierung: Walter Zeh) rundet das Tableau schließlich herrlich ab, und am liebsten möchte man dieses Erlebnis mit nach Hause nehmen wie Kiste Wein aus Frankreichs edelstem Keller. Von einer Aufnahme auf Tonträger ist aber leider nicht die Rede. „Hoffmann“ konzertant: Das bleibt ein exklusives Erlebnis.


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